Buchvorstellung und Interview mit Petra Hillebrand

Petra Hillebrand, Foto: Kameraclub Inzing
Petra Hillebrand,
Foto: Kameraclub Inzing

2016 möchte ich kleine Perlen zu den Themen Leben, Sterben und Tod abseits des Mainstreams vorstellen. Dies können Kinder-Bücher, Personen, Ideen oder Projekte sein.

Mit dem kleinen und leisen Buch „Flieg, kleiner Schmetterling“ von Petra Hillebrand möchte ich meine diesjährige Reihe Leben, Sterben und Tod eröffnen.

Die Österreicherin Petra Hillebrand hat 2009 in diesem berührenden Büchlein ihre Gedanken zur Trauer um ein Kind zusammengefaßt. Es handelt um den Verlust des Kindes bevor es geboren wurde und kurz danach.

Petra Hillebrand ist eine engagierte Autorin und Fotografin. Schwere Themen wie Burnout, sowie Sterben und Tod hat sie bereits in ihren Büchern thematisiert. In früheren Blogbeiträgen berichtete ich darüber.

In einem persönlichen Gespräch erzählte sie mir über die Entstehung des Buches:

Als der Sohn von Freunden kurz nach der Geburt verstarb, war ich tief betroffen. Man steht so ohnmächtig daneben und kann kaum etwas tun, denn der Schmerz, den dieser Verlust hinterlässt, ist grenzenlos.

Meine Freundin hat dann begonnen, ein Erinnerungsalbum zu gestalten. Sie hat auch einige Bücher geschenkt bekommen. Doch in allen Trauergedichten ging es vor allem um die gemeinsamen Erinnerungen, die einen in der Zeit der Trauer tragen.

Aber das war ja genau das Schwierige, denn es hat kaum eine gemeinsame Zeit mit dem Kind, das auf der Intensivstation versorgt wurde, gegeben. Auch beim Verlust eines Kindes während der Schwangerschaft gibt es diese gemeinsamen Erinnerungen – abgesehen von den Kindsbewegungen, der Liebe und der Vorfreude auf das Kind – kaum.

Früher war es zudem ein Tabuthema, weshalb kaum über den Verlust, der manche Mütter ein Leben lang begleitet, geredet wurde. Meist gab es nicht einmal ein offizielles Grab, wo sie trauern konnten.

Mit dem Buch „Flieg, kleine Schmetterling“ wollte ich dieser namenlosen Trauer Raum geben. Ich habe auch mit anderen verwaisten Eltern gesprochen, die ihr Kind während der Schwangerschaft, bei der Geburt oder kurz danach verloren haben.

Diese Gespräche haben mich zu den meditativen Texten inspiriert, die meine Betroffenheit, mein Mitfühlen wiederspiegeln. Ein Versuch meinerseits, mit dieser großen Ohnmacht umzugehen, mich in den spürbaren Schmerz der verwaisten Eltern einzufühlen und ihn auszuhalten.

Flieg, kleiner Schmetterling Foto Tyrolia Verlag
Flieg, kleiner Schmetterling
Foto: Tyrolia Verlag

Herausgekommen ist ein stilles und leises Buch mit tiefberührenden Gedichten, die Petra Hillebrand durch achtsam ausgesuchte Fotos hervorragend unterlegt.

Hier eine kleine Leseprobe aus dem Buch:

Fußspuren

Auch wenn
deine kleinen Füße
die Erde
nie berührten

sind deine
Spuren
trotzdem da

überall

In Deutschland ist dieses Buch bereits vielen verwaisten Eltern und Großeltern bekannt. Lange Zeit war es in Trauergruppen das einzige Trostbuch dieser Art. Noch heute berührt es mit seinen in Worte gefaßten Schmerz von Abschied-Nehmen und Trauer.

Flieg, kleiner Schmetterling
Gedanken zur Trauer um ein Kind
Petra Hillebrand
Tyrolia Verlag
ISBN 978-3-7022-2992-4
3. Auflage 2014

Mit diesem Buch möchte ich betroffenen Menschen einen kleinen Trost an die Hand geben.

Schreiben Sie mir, wie Ihnen der Beitrag gefällt. Auch freue ich mich über Anregungen und/oder Ihre Erfahrungen mit diesem doch sehr schweren Thema.

Ihre
Margarete Rosen

Ein Gedanke zu „Flieg, kleiner Schmetterling

  1. Das klingt nach einem interessanten und besonderen Buch. Ich finde es gut, dass es in diesem Bereich inzwischen Veröffentlichungen gibt, die den betroffenen Eltern sicher helfen.

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