Eine Steinsammlung oder die Suche nach der verlorenen Hälfte!

In meiner Themen-Reihe „Leben, Sterben und Tod“ möchte ich Ihnen heute den Blog „meineschwestertotundichhier“ ans Herz legen.

Manchmal finde ich auf ganz unspektakuläre Weise Dinge. Manchmal sind es Steine. Manchmal ist es ein Blog, wie  „meineschwestertotundichhier“, an dem ich nicht vorbei gehen konnte und auf den ich immer wieder zurückkehre.

Steine am Strand
Steine am Strand

Die Autorin „undichhier“ versteht die Beiträge als eine Steinsammlung. Wie die Steine erzählen sie von vergangenen Zeiten, von Abenteuern und Schabernack, vom Tod und vom Überleben.

In Ihrem Blog „meineschwestertotundichhier“ schreibt die Autorin aus eigener kindlicher Sicht über den Tod ihrer behinderten Zwillingsschwester. Diese verstarb im Alter von fünf Jahren an Atemversagen.

Der Blog existiert seit März 2016 und seitdem folge ich ihm. Jeder Beitrag fesselt durch seine einfache, klare Sprache. Dem Leser offenbart sich die Sichtweise eines kleinen Mädchens, wie es über seine Schwester, die ja eine Prinzessin ist, denkt. Was das kleine Mädchen fühlt und wie intensiv sie ihre Schwester liebt und vermißt, wird uns mit jedem Blogbeitrag verständlicher.

Ich habe die Autorin um ein Interview gebeten. Ihre Antwort war der Blogbeitrag „Aus fernen Zeiten“, aus dem ich zitiere:

Dieser Blog kann verstanden werden als eine Sammlung von Erinnerungen und Gedanken aus fernen Zeiten. Eine Steinsammlung eben. Die Steine trage ich schon lange mit mir herum, manche Steine wiegen so schwer, dass man beide Hände benötigt, um sie hochzuheben, manche sind kieselsteinartig leicht. Sie erinnern an ferne Zeiten. Damals lebte eine Prinzessin. Man muss dazu sagen, dass heute fast niemand mehr weiß, dass es diese Prinzessin wirklich gegeben hat, was eigentlich unvorstellbar ist. Hätte mir damals jemand gesagt, dass es mal so weit kommen wird, ich hätte nur ungläubig mit dem Kopf geschüttelt. Hallo, man darf doch nicht einfach so tun, als hätte es diese Prinzessin nie gegeben!
Also, hier bin ich und sage: Ja, es hat diese Prinzessin wirklich gegeben. Sie war hier! Ich weiß sonst nicht mehr allzuviel über sie, aber sie war hier!
Als die Prinzessin lebte, zu fernen Zeiten, war ich ich, aber nicht so, wie ich es heute bin. Ich habe neue Gedanken entwickelt, ich bin nun ein paar Jahre älter als früher. Ich habe merkwürdig gedacht als Kind, fällt mir auf und ich lächele, und es fühlt sich so an, als würde ich durch ein Museum meiner Gedanken gehen.

Zitat aus: Aus fernen Zeiten, 4. April 2016

Wir können so vielschichtige Beiträge lesen, in denen es um „Hälftenhaftigkeit“, „Wie fängt man an zu trauern, wenn man das nie gemacht hat?“, den Tod, Verlust der Schwester und Verlust der Kindlichkeit geht.

Steine im Meer
Steine im Meer

Die Beiträge berühren, weil wir Erwachsene uns einfach nicht vorstellen können, wie ein Kind fühlt und trauert. Zumal es auch noch den Zwilling, seine andere Hälfte verloren hat.

Sie sensibilisieren mit Kindern über den Tod und das Sterben zu sprechen. Ihnen schon frühzeitig zu erklären, was geschieht.

Noch wichtiger habe ich den Wunsch nach Zuhören und Fragen stellen dürfen herausgehört. Erwachsene möchten oft die Kinder schützen, fern halten vom Leid. Doch leiden gerade Kinder am meisten, weil sie den Tod noch nicht verstehen können und wir nicht mit ihnen darüber reden (können). Wir sollten die Phantasie unserer Kinder nicht unterschätzen, und genau zuhören.

Lassen Sie sich auch faszinieren von der Welt der kleinen, groß gewordenen „undichhier„.

Für diesen wunderbaren, einzigartigen und bezaubernden Blog möchte ich danken und hoffe auf noch viele neue Beiträge.

Konnte ich Sie neugierig auf den Blog „meineschwestertotundichhier“ machen? Das freut mich.

Ihre
Margarete Rosen

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5 Gedanken zu „Wir Kinder und der Tod

  1. Pingback: Wir Kinder und der Tod – Weiterleben ist möglich! «

  2. Hallo,
    jetzt habe ich eine ganze Weile überlegt, was ich dazu schreiben soll, und weiß es trotzdem nicht richtig…
    Also erstmal vielen, vielen Dank, ich habe mich sehr gefreut, dass Sie meinen Blog vorgestellt haben, und so liebe Worte, und Zitate aus meinen Texten. So autorenhaft fühle ich mich eigentlich gar nicht, mir war es fast ein bisschen peinlich. Aber nur ein bisschen. Also vielen, vielen Dank.
    Nur von einer Interview-Anfrage wusste ich gar nichts, habe ich nicht erhalten, habe ich vielleicht überlesen? Vielleicht hat es da ein Missverständnis gegeben, denn der Blogeintrag „Aus fernen Zeiten“ war keine Antwort darauf, sondern sollte allgemein etwas über den Blog an sich aufklären. Naja, vielleicht klärt sich das ja noch auf.
    Liebe Grüße

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    • Liebe „undichhier“,
      vielen Dank für Deine Antwort. Da ist wohl etwas schief gelaufen. Ich schicke Dir die Mail noch mal zu.
      Ich hatte eine Mail an die angegebene Adresse gesendet und nur einige Tage später kam dieser schöne Beitrag. Da dachte ich, ok, respektiere ich Deinen Wunsch. Weil Dein Blog aber sooo gut ist, mußte ich einen Beitrag darüber schreiben. Wir können das Interview ja noch nachholen!?!
      Liebe Grüße
      Margarete

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