Autismus quergedacht

In seinem Buch „Autismus mal anders“ schreibt Aleksander Knauerhase einfach und autentisch über Autismus. Der Informationswissenschaftler, Blogger und Autor ist selbst Autist.

"Autismus Quergedacht: Das Buch" Crowdfunding-Projekt von Aleksander Knauerhase
„Autismus Quergedacht: Das Buch“ Crowdfunding-Projekt von Aleksander Knauerhase

Über das auf Startnext.de finanzierte Projekt „Autismus Quergedacht: Das Buch“ bin ich 2014 auf twitter gestolpert. Und war fasziniert. Das ganze Projekt hatte Hand und Fuß. Die“Dankeschöns“ waren ansprechend.

Doch das Besondere an diesem Fundraising für mich war: Viele Menschen, auch Nichtautisten, haben Knauerhase unterstützt. Das Pitch-Video wurde barrierefrei gedreht. Ton, Untertitel und, als ganz besonderes Bonbon, Gebärdensprache wurden eingebunden. Für mich eine absolut spitzenmäßige Sache. Hier haben viele Menschen ihre eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten dazu verwendet, einen anderen Menschen mit einer Vision zu unterstützen – und – es ist gelungen!

Nach einer längeren Bearbeitungszeit, denn gut Buch will Weile haben, konnte ich Anfang Juni 2016 „Autismus mal anders“ in Händen halten, zusammen mit den „Dankeschöns“ einer persönlichen Widmung und eines zweiten Buches „Lavinia Morgan, Privatdetektivin“, gespendet von der Autorin Zora Debrunner, die auch die „Wegleitung“ zu „Autismus mal anders“ schrieb.

Aleksander Knauerhase berichtete in der ganzen Zwischenzeit immer wieder über den Stand der Entwicklungen. In seinem Blog „Quergedachtes“ schreibt er über sein Leben mit Autismus. Da er seit dieser Zeit auch sehr aktiv für ein neues Verständnis von Autismus wirbt, wurde er zu vielen Veranstaltung in Deutschland, der Schweiz und Österreich geladen. Sein Einsatz geht sogar so weit, dass er mit der Aktion Mensch wegen der ABA-Therapie gebrochen hat. Denn er sagt selbst dazu: ABA dressiert den Autisten, schaut nicht was dieser braucht um ein gesundes Umfeld zu erhalten, sondern paßt diesen in die äußeren Gegebenheiten unserer Gesellschaft ein. Da werden schon kleine Kinder verbogen und zerbrechen. Sie werden innendrin stumm. Er fordert: Eine Therapie in der mit dem Autisten geschaut wird, was dieser braucht, ist eine Therapie für den Autisten. Viele Autisten sind seiner Meinung und unterstützen nicht nur auf twitter die Aktion #fragtwarum. Knauerhase schreibt auf twitter als @QuerDenkender.

Der etwas andere Blick auf Autismus.

"Autismus mal anders" Aleksander Knauerhase
„Autismus mal anders“ Aleksander Knauerhase

Mich hat „Autismus mal anders“ sofort in seinen Bann gezogen. Knauerhase schreibt einfach, authentisch, autistisch!

Er erklärt in einer klaren, bildhaften Sprache wie er seinen persönlichen Autismus erfahren hat und erfährt. Er schreibt aus der Zeit vor der Diagnose über seine Jugend und Erlebnisse aus der Schule und wie er sein Studium mit der Diagnose meistern konnte.

Knauerhase betont, dass es seine eigenen Erlebnisse und Empfindungen sind. Er beschreibt „seinen“ Autismus. Manches von dem was er beschreibt, kann verallgemeinert werden. Doch sagt er ganz klar, dass es wichtig ist, sich den einzelnen Menschen mit Diagnose Autismus anzuschauen und genau zu sehen wie er tickt, wie er seinen Autismus empfindet. Denn Autisten sind Menschen, die durch geschwächte Reizfilter nicht unerhebliche Beeinträchtigungen erleben. Um diese Reize auf ein erträgliches und lebbares Maß zu reduzieren, müssen Autisten viel Kraft und Energie aufwenden. Die daraus entstehenden Verhaltensschemata sind nur die äußerlichen Merkmale, die die Umwelt sieht.

Autismus ist etwas besonders Individuelles!

Mit konkreten Beispielen läßt er uns hinschauen, WAS ein Autist gerade braucht und was hilfreich im Umgang mit diesem ist. Er entschuldigt das Verhalten eines Autisten nicht, sondern erklärt wie es zu Stande kommt.

Dieses Hinschauen, eine Sache von verschiedenen Seiten betrachten und wertfrei sich darüber Gedanken machen, habe ich ebenfalls als ein absolutes Plus empfunden. Mir wurde eine andere Sichtweise auf Autismus ermöglicht.

Knauerhase macht klar: Autismus ist keine Krankheit, sondern eine Beeinträchtigung ein Leben normal zu führen. Doch wenn der Autist sein Umfeld so gestalten kann, dass seine persönlichen Rahmenbedingen so optimal wie möglich sind, kann er ein gutes Leben führen.

Autismus wird nicht schön geredet. Auch kritische Töne schägt Knauerhase an. So sagt er:

„Ist Autismus ein Freischein dafür, sich alles erlauben zu dürfen? Ich denke nicht! Vieles lässt sich vielleicht mit Autismus begründen, aber eben nicht entschuldigen.“ Zitat aus Seite 118

Therapien müssen nicht teuer sein, um gut zu sein!

Oder anders gesagt: Eine gute Therapie schaut, was der Autist braucht! Im Kapitel „Therapie: Wenn Delfine wiehern, bellen und schnurren“ beschreibt Knauerhase, dass Tiere auch für Autisten hilfreiche Therapie-Partner sein können. Und diese Therapien müssen nicht teuer sein. Ein eigenes Haustier bewirkt im gewohnten Umfeld des Autisten schon mal Wunderbares!

Wer weg von stereotypen Sprüchen über Autismus will und sachlich klare Informationen sucht, der sollte dieses Buch lesen. Auch Humor kommt nicht zu kurz. Dies ist oft schon in den Sinn-spielenden Überschriften zu erkennen. Und erst die Texte am Ende jeden Kapitels mit der Überschrift Gedanken! Dort finden Sie tiefgründig, klar und auf den Punkt Gebrachtes.

Fazit: Das Buch ist absolut lesenswert! In leichtverständlichen Bildern spricht Knauerhase präzise und klar über das Thema Autismus. In sieben Hauptthemen finden sich Antworten auf Fragen rund um ein Leben als Autist. Mein Verständnis von Autismus ist heute ein fazettenreicheres.

Autismus mal anders
einfach, authentisch, autistisch
Aleksander Knauerhase
BoD Books on Demand
ISBN 9783741235016
Erscheinungsjahr: 2016

Kennst Du das Buch schon, dann freue ich mich über Deine Meinung. Wenn nicht, hoffe ich, dass Du jetzt richtig neugierig geworden bist. Gerne kannst Du auch mit den unten stehenden Button Dein „Gefallen“ weitergeben.

Deine
Margarete Rosen

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5 Gedanken zu „Autismus mal anders

  1. Mittlerweiler erhält das Buch auch auf anderen Netzseiten beachtliche Beachtung.
    Es sind Kommentare wie:
    Bei den besonderen Ideen zu Autismus – Impfungen, Schwermetalle usw. als Auslöser und die daraus recht einseitig angeleiteten Therapie, ist es eine Wohltat, mal einen Betroffenen, der das individuelle der Erkrankung hervorhebt, zu hören/lesen. Statt immer nur die Sicht der sich selbst betroffen fühlende Aussenstehenden (Eltern usw) und Wunderheiler zu erfahren.

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