Die Kleine Chronik schreibt Familien-Geschichte im Netz!

Die Webseite Die Kleine Chronik und ihre Schwester auf Facebook gaben den Ausschlag über Frau Schaberger in meiner Themenreihe „Leben, Sterben und Tod“ zu berichten.

Sterben sollte ein natürlicher Bestandteil unseres Lebens sein. Doch oft verdrängen wir diesen Aspekt und werden dann „plötzlich“ und äußerst schmerzhaft vom Tod eingeholt.

Friedwälder und Ruhewälder empfinde ich als eine Möglichkeit Asche zu Asche und Staub zu Staub zu leben. Oft werden sie, wie die normalen Urnenbestattungen, aus finanziellen Notwendigkeiten gewählt. Doch gibt es auch hier die Möglichkeit, etwas sehr individuelles als Erinnerung zu schaffen.

QR-Code von Therapeutic Touch West
QR-Code von Therapeutic Touch West

Beeindruckt hat mich die Idee der digitalen Biografie. Mit einem QR-Code bedruckte Schildchen werden an Gräbern oder Friedbäumen befestigt, so dass Besucher mit ihren Smartphones die hinterlegten Chroniken sofort lesen können.

Der QR-Code besteht aus einer quadratischen Matrix aus schwarzen und weißen Quadraten, die die kodierten Daten binär darstellen. Er ist leicht auf flachen Stellen aufzubringen.

Das Unternehmen Quintessenz – Manufaktur für Chroniken setzt damit einzigartige Maßstäbe. „Wir machen Geschichte erlebbar!“ sagt Petra Schaberger, die mit Ihrem Mann das Unternehmen gemeinsam leitet, das für hochwertige Dokumentationen und deren Präsentation steht.

„Vergangenes für die Nachwelt zu erhalten“ hat sich Frau Schaberger mit Leidenschaft verschrieben. Gerade diese Leidenschaft für unser aller Geschichte ist spürbar bei ihrem Einsatz für Senioren, Demenzarbeit und Sterbekultur.
Auf erfrischende Weise berichtet Frau Schaberger über die ihr am Herzen liegenden Themen. Diese Ehrlichkeit und der Enthusiasmus, gepaart mit der notwendigen Anteilnahme und Hinwendung zum Menschen, sind aus jeder Zeile zu spüren.

Frau Schaberger möchte eine persönlichere Sterbe-Kultur in unser Bewusstsein rufen. Sie ermöglicht Hinterbliebenen, das Leben des Verstorbenen in ansprechender Weise aufzuzeichnen. In Die Kleine Chronik – Biografien von Verstorbenen im Netz werden diese besonderen Lebenswege nachgezeichnet und digital festgehalten. Im Internet können Familienangehörige, Freunde und Bekannte diese Biografien mittels eines QR-Codes jederzeit abrufen. Als besonderen Service kann der QR-Code als Schildchen am Grab befestigt und so Die Kleine Chronik vor Ort direkt gelesen werden. Auf der Webseite Die Kleine Chronik finden neben vielfältigen Information zum Thema auch Friedhöfe, Friedwälder als ganz besondere Ruheplätze, sowie die Hospize der Region, einen Raum.

Interview mit Frau Schaberger: Biografin / Gestalterin / Bloggerin / Chronistin mit Herzblut!

Petra Schaberger, Quintessenz - Manufaktur für Chroniken, Foto: Marc Fippel
Petra Schaberger, Quintessenz – Manufaktur für Chroniken, Foto: Marc Fippel

Eine Lebensgeschichte mittels QR-Code am Grab zu verankern ist auf den ersten Blick ungewöhnlich. Wie kamen Sie auf die Idee?

Wir hatten die Idee mit einem QR-Code als Gedenkseite für die/den Verstorbene/n zur Verfügung zu stellen, als wir im ersten Schritt 2011 eine kleine Biografie mit 8 Seiten zur Trauerfeier meiner Schwiegermutter erstellten. Wir sind von Hause aus Chronisten, da lag es auf der Hand, dass wir unser Portfolio um digitale Biografien ergänzen.

Der Grund war, dass es Trauergäste gab, die sie nur aus der Zeit kannten, als sie noch in ihrer Heimatstadt wohnte. Ebenso gab es Freunde, die ihr Leben in ihrer früheren Heimat kannten, aber die Bilder dazu nicht. Das Interesse an dieser Kleinen Chronik war groß, wie wir aus den Resonanz erfuhren.

Warum sollte ich meine Lebensgeschichte oder die eines Verwandten auf diese Weise veröffentlichen?

Die besten der guten Gründe sind Liebe und Dankbarkeit. Beispiele hier für sind die Kinder von Kurt Urbahn und Elli Drayß.

Was ist der Unterschied zwischen Die Kleine Chronik und einer Gedenkseite.

Gedenkseiten sind digitalen Traueranzeigen bei den Online-Tageszeitungen oder Internet-Portale, in denen die Angehörigen selbst die persönlichen Daten, Text und Bilder in eine Art „Web-Maske“ eingeben. Es gibt dort auch die Möglichkeit digitale Kondolenzkerzen anzuzünden und ein Gästebuch.

Wir gehen einen anderen Weg. Die Kleine Chronik soll das Leben des oder der Verstorbenen ganz individuell und ansprechend darstellen, sodass die Persönlichkeit hinter den Daten zum Vorschein kommt. Das Ganze wird aufwendig mit Fotografien und grafisch klassisch-zeitlos gestaltet. So können die Angehörigen ihre Verstorbenen auf ganz besondere Weise würdigen.

Die Angehörigen suchen Bilder heraus. Manchmal möchten sie den Text selbst schreiben. Meistens schreiben unsere Autoren den Text. Wir sind schließlich Biografen. Grafikerdesigner gestalten die Webseite und das Schild mit dem QR-Code. Zudem stellen wir diese auf unsere Webseite mit dem Lageplan des Friedhofs, damit Besucher das Grab finden und Die Kleine Chronik lesen können.

Mit welchen Berufen arbeiten sie besonders zusammen?

Für Die Kleine Chronik arbeiten wir mit Grafikern und Webdesigern zusammen, auch Autoren, Lektoren, Fotografen. Eine Schildermanufaktur fertigt die Schilder aus Emaille oder Vinyl.

Wie ist die Resonanz bei Bestattungsunternehmen, Bestattern, Trauerrednern auf Die kleine Chronik?

Ich war wohl am Anfang ein wenig zu optimistisch, denn gleich zum Start hat mich das Kuratorium Deutsche Bestattungskultur zur Webseite und Idee beglückwünscht und verlinkt. Diese Frage ein Jahr später zu beantworten bringt mich jetzt in den Konflikt, soll ich eine euphemistische oder eine ehrliche Antwort geben? Also euphemistisch würde ich über die Resonanz bei den Bestattungsunternehmen schreiben, dass da viel „Luft nach oben“ ist, bei zweiterem ebenso thematisch passend: unterirdisch. Hier schmunzelt Frau Schaberger. Manchmal braucht man einfach ein bissle Geduld.

Auch wurde ich in XING vom Moderator in die Gruppe „Testamentsvollstrecker“ eingeladen, denn gerade diese fragen sich gelegentlich bei der Abwicklung von Firmen und Vermögen, was denn nun bleibt. Da kann Die Kleine Chronik eine Möglichkeit der Darstellung bieten.

Sie bieten Künstlern mit einem besonderen Angebot einen Raum auf Ihrer Webseite. Warum?

Unsere Webseite soll Angehörigen einen Überblick geben, die für ihre Trauer einen ganz individuellen Ausdruck suchen. So stellen wir nach und nach Besonderes vor.

Bildhauer: Portraitbüsten nach einem Foto
Buchbinder: die andere Kondolenzkarte, entworfen von einer Designerin im Handwerk
Steinmetze: die individuelle Gestaltung von Grabmalen und
von einem Künstler diese wundervollen Glasarbeiten für Fenster in Hospizen.

Zur Zeit warte ich noch auf Bilder von weiteren Anbietern.

Es ist schon eine sehr spezielle Aufgabe Friedhöfe und die dazu gehörenden Lagepläne von Gräbern zu erstellen und für Interessierte öffentlich zugänglich zu machen. Was veranlasste Sie, dieses Projekt in Angriff zu nehmen?

Natürlich gibt es das kleine Schild mit dem QR-Code, wo man auf dem Friedhof Die Kleine Chronik abrufen kann. Manch einer möchte dies aber unabhängig davon tun, wie entfernte Familienmitglieder und Freunde. Hier genügt es, auf der Webseite das Grab auf dem Lageplan zu lokalisieren und zu Hause die Lebensgeschichte zu lesen. Da wir in einem Projekt mit Bürgern gemeinsam über bekannte Persönlichkeiten in der Region erzählen wollen, ist es dann hilfreich diese Grabstätten zu finden.

Auch berichten Sie über Friedwälder in Ihrer Region. Was ist so faszinierend daran?

Friedwälder an der hessischen Bergstraße gab es bisher nicht. Das fand ich schade und jetzt wurde in einem angegliederten Ortsteil Kirschhausen und dem zu Heppenheim gehörenden Hambach ein Friedwald bzw. Friedhain ausgewiesen. Bei Friedwäldern gibt es ja keine Grabanlagen, lediglich kleine Schilder mit dem Namen. Hier kann Die Kleine Chronik mit einem zusätzlichen QR-Code eine willkommene Ergänzung sein – also gewissermaßen eine andersartige Grabstätte.

Wo möchten Sie später Ihre „letzte Ruhestätte“ finden?

Wenn ich frei wäre, mir etwas wünschen könnte, dann fände ich die Vorstellung schön, später zusammen mit meinem Mann in der gleichen Urne zu kuscheln. Ob dies nun in einem Friedwald oder in einem Kolumbarium ist, überlasse ich meiner Tochter und deren finanziellen Möglichkeiten.
Natürlich werde ich bereits zu Lebzeiten eine gemeinsame Kleine Chronik erstellen. Das hat übrigens auch für Kunden den Charme, dass man noch am eigenen Nachruf mitwirken kann.

Auf Ihrer facebook-Seite Die Kleine Chronik posten Sie Interessantes rund um die Themen Sterben und Tod. Besonders erfrischend finde ich, dass Sie eine sehr persönliche Note hineinbringen. Zum Beispiel erwähnen Sie ganz offen, dass Sie nicht gläubig sind. Und doch lese ich eine sehr persönliche „Gläubigkeit“ aus Ihren Posts heraus.

Ich halte es mit Kategorischen Imperativ – im Volksmund verkürzt: Was Du nicht willst, was man Dir tu‘, das füg‘ auch keinem anderen zu. Ja, ich bin nicht im herkömmlichen Sinn gläubig. Ich gehöre zu den Vielen, die sonntags nicht in die Kirche gehen und ich bete auch nicht, und ich möchte auch nicht deswegen lügen müssen.

Dennoch habe ich einen eigenen moralischen Kompass: Humanität. Damit bleibt es für mich unwichtig, welcher Religion jemand angehört, woher er kommt, welche Hautfarbe er besitzt und so kann ich mich auch mitfreuen, wenn jemand Trost in der Religion findet.

Auf der Network-Plattform XING moderieren Sie die Gruppe „Seniorennetzwerk“ und berichten dort immer wieder über den Umgang mit Demenz und Aspekten des Sterbens. Was ist Ihnen daran so wichtig?

Auch hier bin ich in die Gruppe eingeladen worden, um diese als Moderatorin zu unterstützen. Es ist etwas schwierig für mich, weil ich fachlich zu Pflege und Demenz nur das persönlich Erlebte beitragen kann. Ich kenne die organisatorischen Konflikte und das stete schlechte Gewissen als täglichen Begleiter. Ich habe mich geärgert, dass Freunde, die kaum Geld für Beerdigung, Grabanlage und Pflege dieser hatten, eine Urnenbestattung wählten, um sich dann anhören zu müssen, „wenn das die Mutter wüsste“. Einem trauernden Angehörigen auch noch ein schlechtes Gewissen machen fand ich unmenschlich. Da ich weiß, dass die Renten gerade von Frauen oft erbärmlich niedrig sind, kommen diese auch an ihre Grenzen, wenn der Mann verstirbt, und für die Pflege das Ersparte bereits verbraucht wurde. Es werden immer mehr Rentner, die Jobs annehmen müssen, um über die Runden zu kommen, das ist und bleibt ein dringendes gesamtgesellschaftliches Thema.

Liebe Frau Schaberger, ich bedanke mich sehr für das informative Gespräch.

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Ich freue mich gerade sehr über den Blogbeitrag „Unser Interview mit Therapeutic Touch West oder wie netzwerken menschlich bereichert!“ von Frau Schaberger.

Kennen Sie auch eine besondere oder andere Art der Trauerarbeit? Teilen Sie mir diese, und gerne auch Ihre Meinung zum Beitrag, mit. Ich freue mich auf Ihren Kommentar.

Ihre
Margarete Rosen

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8 Gedanken zu „Wir machen Geschichte erlebbar!

    • Hallo Rosa,
      was für ein Zufall. Mit Frau Capitain spreche ich gerade über ein Interview. Das wird auch sehenswert.
      Danke für den Tipp.
      LG
      Margarete

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  1. Pingback: Therapeutic Touch interviewt Die Kleine Chronik - blogq5.de

  2. Pingback: Unser Interview mit Therapeutic Touch West - DIE KLEINE CHRONIK

  3. Ungewöhnlich, aber bemerkenswertes Angebot für die Trauerarbeit, aber auch zur Vorbereitung für die letzte Wegstrecke.
    Passt super zum Friedhofsspaziergang, den wir Anfang dieser Woche mit dem Hospizverein Bamberg gemacht haben.

    Lieben Dank, Margarete, für das informative Interview!
    LG Silke

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    • Ja Silke, die Idee mit dem QR-Code fand ich auch absolut spannend und auch passend für Urnen und die alternativen Bestattungsarten wie Fried- und Ruhewälder.

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    • Liebe Silke,

      jetzt bin ich unsicher, ob ich so einfach duzen darf … 😉
      herzlichen Dank für Deinen/Ihren Kommentar, wenn Du/Sie Fragen für künftige Treffen haben dann freue ich mich, Ihnen/Dir dazu die Antworten zu schreiben.
      Ein tolles Wochenende wünscht Ihnen
      Petra (Schaberger) 🙂

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