Asche zu Asche und Erde zu Erde!

Ich wiederhole es gerne: Urnen faszinieren mich. Daher lag es auf der Hand die Künstlerin und Urnengestalterin Rita Capitain in meinen Themenreigen „Leben, Sterben und Tod“ aufzunehmen. Sie hat die Bio Urnen – das frEI entwickelt. Urnen, die zu 100 % biologisch abbaubar sind.

Auf Frau Rita Capitain wurde ich auf der Netzwerk-Plattform XING aufmerksam. Dort berichtete sie über ihre Bio Urnen – das frEI. Was für ein Name, darüber bin ich natürlich gestolpert. Urnen und frei? Doch auf ihrer Webseite erhielt ich erschöpfende Auskunft und wurde gleichzeitig von der künstlerischen Gestaltung dieser absolut abbaubaren Urnen berührt. Dieses erhabene, edle und doch leichte Gefühl wurde mit der Gestaltung und den Farbkompositionen zu einzigartigen Gefäßen für die letzte Ruhe in Einklang gebracht.

2012 lernten wir uns kennen. Damals wohnte die Künstlerin noch in Merzenich bei Düren. Im Rahmen unseres Projektes „Wir fürs Kinderhospiz Sonnenblume“ durften wir ihr Atelier und ihre Künstlerwerkstatt besuchen. In ihrer ruhigen und sympathischen Art beantwortete Frau Capitain unsere vielen Fragen. Wir erhielten die Möglichkeit, neben Muster-Urnen, auch zwei Urnen, die gerade Familienangehörige ganz individuell gestalteten, in Augenschein zu nehmen. Beeindruckend!

Interview mit Frau Capitain

Ganz besonders freue ich mich, dass Frau Capitain sich Zeit für dieses Interview genommen hat. Sie lebt mittlerweile im schönen Schleswig-Holstein. Noch nicht ganz an der Küste, was ihr persönlicher Traum ist, doch schon ein ganzes Stück näher dran.

Urnenherstellerin und Künstlerin Rita Capitain, Foto: Rita Capitain
Urnenherstellerin und Künstlerin Rita Capitain, Foto: Rita Capitain

Sie sind jetzt im Ruhestand. Kann sich eine Künstlerin wirklich ganz zurück ziehen oder „arbeiten“ sie noch? Wenn ja, wie sieht das aus.
Ob es die Bio Urnen das frEI weiterhin geben wird, hängt von der Beweglichkeit meiner Hände ab. Noch sieht es ganz gut aus und dafür bin ich dankbar.

Ich möchte eine von Ihnen gestaltete Urne haben, wohne aber nicht in der Nähe. Wie könnte ich eine erhalten?
Zahlreiche Menschen haben in der Vergangenheit die Bio-Urnen das frEI telefonisch bestellt und das Abstimmen hat in der Praxis gut funktioniert.

Worüber sollte ich mir im Vorfeld Gedanken machen?
Die wichtigste Frage bei einer Feuerbestattung ist: Sollen sich meine Reste mit der Erde verbinden?
Ist die Antwort NEIN, ist es egal aus welchem Material Aschenkapsel und Überurne bestehen. Die Reste werden in der Erde aufbewahrt.
Ist die Anwort JA, ist es ganz und gar nicht egal. Denn nur eine biologisch abbaubare Eingefäß-Urne gewährleistet die Rückkehr zur Erde. Deshalb verwende ich vergängliche Materialien wie Baumwollgewebe, Zellulose, Naturfarben und Naturleime.

Welche Rolle spielt das Bestattungshaus/ der Bestatter bei der Auswahl der Urnen?
Der Mensch, der sich für die Vergänglichkeit entschieden hat, braucht ein offenes Bestattungshaus mit Flexibilität. Er muss den Bestatter bitten, die Asche aus der Krematoriums-Aschenkapsel in die Bio-Urne umzufüllen. Erst wenn das Bestattungshaus dem Umfüllen zugestimmt hat, können die Einzelheiten zur Gestaltung der Urne besprochen werden.

Da alles Handarbeit ist und auch immer zwischendurch trocknen muß, wie lange dauert es bis eine Ihrer Urnen fertig ist?
In der Regel 10 Tage je nach Aufwand. Details, die für meine kreative Arbeit benötigt werden, erfrage ich persönlich bei den Auftraggebern. Angaben zu Charakter, Beruf, Hobbies, Lieblingsfarben o. ä. fließen mit ein. Es gibt so unendlich viele Möglichkeiten der Gestaltung, die in jedem Fall besprochen werden müssen. Dadurch ergeben sich  sehr individuelle Gefäße.

Für welche Bestattungsorte sind die Urnen geeignet?
Meine Urnen sind ausschließlich für eine Erdbestattung vorgesehen.

Bio Urnen - das frEI, Foto: Rita Capitain
Bio Urnen – das frEI, Foto: Rita Capitain

Urnen – das frEI ist ohne Innenurne konzipiert. Was war der Gedanke dahinter?
Als ich 2003 mit der Konzeption einer Bio-Urne begann, erforschte ich die genauen Abläufe einer Feuerbestattung. Ich war ganz und gar nicht einverstanden mit dem Benutzen von zwei Gefäßen (Aschenkapsel + Schmuck-/Überurne), die sich nicht auflösen würden. Das entsprach überhaupt nicht dem Grundgedanken: Erde zu Erde.

Wieder ausgegraben zu werden, fand ich schier unmöglich!

Deshalb gingen meine Gedanken bei der Konstruktion viel weiter als das bestehende System. Es sollte nur ein Gefäß sein, dieses biologisch abbaubar, individuell zu gestalten und würdevoll abgleitend in die Erde durch das Seidentuch. Alles zusammen ergab die Bio-Urnen das frEI. So wurde ich zur Vorreiterin einer völlig neuen Trend-Bewegung.

Sie verwenden nur Naturmaterialien. Das bedeutet, dass die Urne sich ganz normal in der Erde abbaut.Wie lange dauert es bis die Urne sich aufgelöst hat?
Die Zersetzung ist abhängig vom jeweiligen Erdreich und den darin befindlichen Mikro-Organismen. Diese Mikro-Organismen können aber nur Naturmaterial in der Erde zersetzen. Daher verwende ich auch nur Naturmaterialien. Damit ist gewährleistet, dass sich der Grundgedanke erfüllen kann: Die Asche wird ganz natürlich ins Erdreich zurückkehren können. Die Mikro-Organismen können ihre Arbeit tun!

Können diese Urnen überall als Begräbnisgefäß verwendet werden?
Überall dort, wo eine Erdbestattung für Urnen vorgesehen ist.

Gibt es Friedhof-, oder Bestattungs-Regeln, die Interessierte beachten sollten?
Über zehn Jahre sind vergangen. Heute gibt es Aschenkapseln und Schmuckurnen aus allerlei so genannten Bio-Materialien, die bei genauer Betrachtung auch wieder fragwürdig sind. Einen „TÜV“ für Urnenmaterial gibt es meines Wissens nicht. Jeder Hersteller prüft sein Material selbst und vermarktet die Schmuckurnen im eigenen Sinne. Man ist einfach auf diesen Bio-Trend aufgesprungen ohne das System zu hinterfragen und zu ändern. Für denjenigen, der sicher sein will, dass seine Asche in das Erdreich zurückkehren kann, macht das überhaupt keinen Sinn.
Bio-Urnen das frEI verzichten von vornherein auf die gesonderte Aschenkapsel. Das ist möglich, weil sie einen geschlossenen Urnenkörper darstellen, wie vom Gesetzgeber gefordert. Damit ist gewährleistet, dass sich der Grundgedanke erfüllen kann: Die Asche wird ganz natürlich ins Erdreich zurückkehren.

Liebe Frau Capitain, ich wünsche Ihnen den Durchbruch den das frEi verdient.

Noch eine Anmerkung von Frau Capitain:

Eingefäß-Urne das frEI, Foto: Rita Capitain
Eingefäß-Urne das frEI, Foto: Rita Capitain

Liebe Frau Rosen,
ich habe oft von Interessenten die Rückmeldung bekommen, dass der jeweilige Bestatter ein Zustandekommen des Auftrages an mich verhindert hat, weil er seine Urnen-Dosen selbst verkaufen wollte. Ein typisches Beispiel, wie in Deutschland richtig gute Ideen klein gehalten werden.
Solches Verhalten macht mich traurig, weil ich etwas Gutes in die Welt gebracht habe. Doch wie können die Menschen und ich zusammenkommen, wenn dazwischen die Entscheidungs-Macht des Bestatters steht? Auf der anderen Seite macht mich das Gefühl glücklich, dass ich die Erste war, die eine „biologische Eingefäß-Urne mit dekorativer individueller Gestaltung“ ins Leben gerufen hat und sogar große Hersteller Texte von meiner homepage abgeschrieben haben, um ihr Angebot an Bio-Urnen zu präsentieren. Auch wenn sie nicht begriffen, dass das frEI etwas ganz anderes ist, als ihre systemgerechten Überurnen.
Das Projekt „Bio-Urnen das frEI“ hat einiges meiner Lebenszeit in Anspruch genommen und mir viel Geld und Kraft abverlangt. Aber ich würde es immer wieder tun, weil es eine Herzensangelegenheit ist und bleibt. Vielleicht kann ich aus der Position der Rentnerin doch noch etwas bewegen… auch mit diesem Artikel durch Sie, liebe Frau Rosen.
Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung!!

~~~~~~~~~

Ich möchte Sie einladen auf der Webseite von Rita Capitain ein wenig spazieren zu gehen. Dort finden Sie viele weitere Informationen rund um die Urnenbestattung. Film- und Zeitschriftenbeiträge werden durch wunderschöne Fotoimpressionen abgerundet.

Ganz besonders freue ich mich meinen Themenreigen über „Leben, Sterben und Tod“ mit Beiträgen unter anderem zu „frühverlohrene Kinder“, Kinder-Bücher über Urnen-Bestattungen und Friedwälder, die Kleine Chronik, eine Liebesgeschichte, wie Geschwisterkinder trauern, Euthanasie im NS-Regime, Gespenster, letztendlich mit diesen kreativen Urnen abzurunden.

Alle Beiträge können Sie in den älteren Blogbeiträgen 2016 nachlesen.

Liebe Leserin und lieber Leser ein weiteres Jahr haben Sie mich begleitet, dafür danke ich Ihnen.
Welcher Beitrag hat Sie besonders berührt? Vielleicht dieser? Teilen Sie mir Ihren Lieblingsbeitrag und gerne auch Ihre Meinung zum Beitrag mit. Ich freue mich auf Ihren Kommentar.

Ihre
Margarete Rosen

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8 Gedanken zu „Die Künstlerin Rita Capitain entwirft Bio-Urnen

  1. Über dieses Interview freue ich mich ganz besonders, liebe Margarete. Denn ich hatte auf XING schon vor längerer Zeit wertschätzende Kommunikation mit Rita Capitain, die eine so wichtige Lücke schließen will.
    Es ist zu schade, und ich bedaure es sehr, dass Rita Capitain so viele Steine seitens der Bestattungsunternehmen in den Weg gelegt werden. Schon deshalb werde ich diesen wertvollen Beitrag sogleich überall, wo ich mich im Social Web herumtreibe, verbreiten.

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  2. Liebe Margarete Rosen, da kann ich Abhilfe schaffen – anbei ein Link zu einem Film.
    Dieser kleine Film zeigt, wie mit abgelaufenen Urnen umgegangen wird.
    Ein Umstand, den kaum jemand kennt. „Unverdauliche“ Materialien von Aschenkapsel und Überurne wurden Jahrzehnte eingesetzt und auch heute noch verwendet. Ein großes Problem für die Friedhöfe.
    Meine Idee: Aus Zwei (Aschenkapsel mit Überurne) mach Eins (Eingefässurne) = Bio Urnen das frEI und das unwürdige Ausgraben und entsorgen entfällt!

    Link: https://www.youtube.com/watch?v=B3GJrmnTme4

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  3. Danke Margarete, dass Du wieder einmal ein Thema so interessant aufbereitet hast. Die Bio-Urnen reizen mich schon. Doch ist Frau Capitain so weit weit weg.

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    • Hallo Rita, Frau Capitain kann man ganz leicht kontaktieren. Per Telefon läßt sich vieles im Vorfeld klären und Schleswig-Holstein ist immer eine Ferien-Reise wert.

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  4. Liebe Margarete!

    Das war ein sehr interessanter Artikel. Gerade weil es mir so wichtig ist, wieder Nahrung zu werden für Mirkroorganismen, vor allem aber für die Blumen über meinem Grab, wollt ich immer eine Erdbestattung im Sarg.
    Das oben Beschriebene wäre eine gute Alternative.
    Danke für den Artikel und das interessante Interview.

    Liebe Grüße
    Petra

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    • Liebe Petra, es hat mich auch ganz überrascht, das in normalen Urnen eine Asche-Urne steckt, die gar nicht verrottet und somit ein Recyceln nötig macht. Was geschieht mit der Asche, nachdem die Urne aus der Erde geholt wurde? Darauf habe ich immer noch keine verlässliche Antwort erhalten.

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