Hospizbegleiter betreuen Menschen auf ihrer letzten Wegstrecke.

Menschen auf ihrer letzten Wegstrecke zu begleiten, haben sich die Hospizhelfer auf die Fahne geschrieben. Immer mehr Menschen sind im Alter allein oder können von ihren Familienmitgliedern nicht versorgt werden. Ein würdevolles Begleiten mit Respekt und Andacht ist Aufgabe der „Sterbebegleiter“.

Deshalb freue ich mich besonders, dass die Versmolderin Daniela Schmitten mit einem Interview meinen Themenreigen rund um Leben, Sterben und Tod bereichert. Im Beitrag „Unterwegs als Hospiz-Begleiterin“ hat sie bereits über ihren Alltag auch mit Demenzerkrankten berichtet. Heute beantwortet sie meine Fragen.

Interview mit der Hospiz-Helferin Daniela Schmitten

Mit Frau Schmitten bin ich über eine Internet-Demenzgruppe in Kontakt gekommen. Dort haben wir beide Beiträge zur Demenzarbeit gepostet. Schnell war das Interesse geweckt, sich auszutauschen. Deshalb freue ich mich sehr, dass Frau Schmitten hier meine Fragen beantwortet.

Wie sind Sie zur Hospizarbeit gekommen?

Daniela Schmitten Foto: mit freundlicher Genehmigung von Daniela Schmitten
Daniela Schmitten
Foto: mit freundlicher Genehmigung von Daniela Schmitten

Ich arbeite im Gesundheitswesen und habe auf einer Veranstaltung die Bekanntschaft von einem Ehepaar gemacht, die sich in der Hospizarbeit engagieren. Wir haben uns gleich verstanden und sind heute gut befreundet. Sie erzählten mir, dass es jeden Monat ein Gruppentreffen gibt. Gäste seien immer herzlich willkommen. Einige Zeit später bin ich dort hingegangen, habe dabeigesessen und zugehört. Mir ist sofort die Herzlichkeit und Wärme in dieser Gruppe aufgefallen. Das hatte ich vorher noch nicht so erlebt. Um dort mitarbeiten zu können, musste ich zuerst an einem Hospizhelfer-Lehrgang teilnehmen.

Im Februar 2014 wurde ein neuer Kurs angeboten. Die Inhalte waren sehr vielfältig. Im Mittelpunkt standen die verschiedenen Phasen eines Sterbeprozesses, die eigene Auseinandersetzung mit Tod und Sterben, Gesprächsführung, Formen der Trauer und Trauerbegleitung, Patientenverfügungen, sowie alles über den Umgang mit Demenz. Zusätzlich bekam ich Sachinformationen zu medizinischen, rechtlichen, pflegerischen und spirituellen Aspekten in der Sterbebegleitung. Dieser Kurs hat mir geholfen, viel über mich selbst herauszufinden. Wertschätzung, Respekt und aktives Zuhören prägen seitdem meinen Umgang mit anderen Menschen.

Was macht eine „Sterbe-Begleiterin“ – Aufgaben – Einsatzort?

Die offizielle Bezeichnung ist „HospizhelferIn“. Nach erfolgreichem Abschluss der Erstausbildung erhält jeder Teilnehmer ein Zertifikat. In Form einer Vereinbarung mit dem Hospizverein wird der Hospizhelfer zum ehrenamtlichen Mitarbeiter. Es gibt mehrere Möglichkeiten der Mitarbeit: Besuchsdienste, Öffentlichkeitsarbeit, Organisation, Sterbebegleitung, Trauerbegleitung und Unterstützung des Vorstands. Danach gibt es weitere Spezialisierungen, z. B. Demenzbegleiter, Trauerbegleiter, Berater für Patientenverfügungen.

Die Einsatzorte sind entweder im eigenen Zuhause oder in einer Pflegeeinrichtung, je nachdem, wo der erkrankte Mensch wohnt. Wird ein Krankenhausaufenthalt notwendig, wird der Erkrankte auch dort vom Hospizhelfer besucht. Die Hospizgruppe Versmold erhält viele Anfragen. Ein Motto von uns ist „Wir kommen lieber vier Wochen zu früh, als einen Tag zu spät“. Die Koordinatorin führt immer den Erstbesuch durch. Der erkrankte Mensch muss selbst einer Begleitung zustimmen. Zwei Hospizhelfer wechseln sich bei der Betreuung ab und tauschen sich miteinander aus. Manche Begleitungen sind sehr kurz und einige relativ lang.

Was ist Ihnen bei diesen Besuchen am Wichtigsten?

HospizhelferIn: Das letze Stück des Lebens-Weges begleiten.
HospizhelferIn: Das letzte Stück des Lebens-Weges begleiten.

Spontan denke ich „Würde, Respekt, Liebe“. Ich lerne einen Menschen kennen und nehme ihn so wie er ist, wahr. Ich achte und respektiere diesen Menschen. Es ist egal, ob es sich um eine Frau oder um einen Mann handelt. Es sind liebevolle Blicke und Berührungen, ein zartes Streicheln der Hand, des Armes oder nur über die Decke, Aufrichtigkeit und Wahrheit, ein Herausfinden eines gemeinsamen Themas, über das ich sprechen kann, z. B. über den Rosengarten in Bad Rothenfelde.

Mir ist es wichtig, bei dem Menschen zu sein, da wo er sich gerade befindet, für ihn da zu sein, mit ihm über Ängste, Freuden und Sorgen zu sprechen, etwas auszuhalten mit ihm zusammen, vielleicht ein schmerzendes Bein zu massieren.

Ich möchte den Menschen mit meinen Besuchen Freude bereiten, sie aufmuntern, ablenken, über das Alleinsein hinweg helfen, Lustiges erzählen, zum Lachen bringen. Wenn die letzten Stunden beginnen, möchte ich da sein, die Hand halten und dem Menschen mit Gebet und Gesang hinüber begleiten in die andere Welt. Das bedeutet sehr großes Vertrauen des Sterbenden zu mir. Bisher durfte ich das einmal erleben. Dies ist ein sehr heiliger Moment.

Was schätzen Sie an dieser Arbeit?

„Es ist das schönste Ehrenamt der Welt“!

Dieser Satz fällt mir spontan dazu ein. Ein Zitat von Bärbel Pieper, unserer 1. Vorsitzenden der Hospizgruppe in Versmold, die mit Herz, Leib und Seele dabei ist. Ich kann diesen Satz sehr, sehr bestätigen.

Ich kann die Zeit, die ich verschenke, selbst bestimmen. Oft sind es unterschiedliche Tage und Uhrzeiten. Hauptberuflich arbeite ich ganztägig in der Verwaltung der Klinik Münsterland, eine orthopädische Rehaklinik in Bad Rothenfelde. In meiner Freizeit singe ich in einem Chor. Ich mache aktiven Sport und lerne zusätzlich Gitarre. Die Hospizarbeit wird allgemein sehr anerkannt und unterstützt.

Unsere Hospizgruppe ist wie eine große Familie. Es wird sehr herzlich miteinander umgegangen. Jeder ist für den anderen da. Regelmäßig finden Ausflüge, Fortbildungen und Supervisionen statt.

Die Arbeit *schmunzel* – ist für mich keine Arbeit, sondern eher eine liebevolle Zuwendung an fremde Menschen, die mir dann sehr vertraut werden. Der Sinn von Hospiz ist es, ein Sterben zuhause oder wie zu Hause zu ermöglichen. Ich finde es gut, dass die Angehörigen durch unsere Arbeit entlastet werden. Das geht auch über den Tod hinaus. Die Hinterbliebenen werden auf Wunsch von einem Trauerbegleiter der Hospizgruppe besucht. Auch die Teilnahme an regelmäßigen Trauertreffs ist möglich.

Was würden Sie gerne noch zusätzlich leisten?

Das mache ich schon!

Der Wohnbereich des Städtischen Altenheims suchte für einen Ausflug noch freiwillige Helfer. Ich habe mich gemeldet und durfte mich um eine fast blinde Dame kümmern, die sturzgefährdet ist. Der Ausflug hat uns beiden sehr viel Freude bereitet. Die Pflegekräfte konnten sich 1:1 um alle mitgefahrenen Heimbewohner kümmern.

Heute habe ich wieder einen Einsatz. Wir gehen in die evangelische Petrikirche im Ort. Dort wird der heimische Gospelchor ein Konzert geben.

Was geben Sie Menschen mit auf den Weg, die sich für Hospizarbeit interessieren?

Grundsätzlich wäre es gut, wenn sich noch mehr Menschen ehrenamtlich in der Hospizarbeit engagieren würden.

Sterbebegleitung ist etwas, was jeder kann und jeder wagen sollte.

Es ist egal, welches Alter und welche Profession derjenige hat. Jede Begleitung ist anders und beginnt im Idealfall in der Anfangsphase einer nicht mehr therapierbaren Erkrankung. Einander kennen lernen, Vertrauen aufbauen, Nähe spürbar machen, aktiv zuhören, Zeit haben und Ruhe vermitteln, sind kleine Tipps für den Einstieg. Der zu betreuende Mensch sollte noch geistig fit sein und sprechen können. Je nach Krankheitsstadium ist auch ein Spazierengehen oder Ausfahren im Rollstuhl noch möglich.

Wer sich für das Ehrenamt interessiert, informiert sich am Besten bei der örtlichen Hospizgruppe.

Ich bedanke mich für das ausführliche Interview, liebe Frau Schmitten, und wünsche Ihnen noch viele gute Begleitungen.

Weitere Informationen

Sie möchten mehr über die Aufgaben der HospizhelferInnen erfahren, dann kontaktieren Sie den Hospizverein in Ihrer Nähe. Hier sind die Webseiten der Hospizvereine in Versmold und in Aachen.

Sie sind bereits HospizhelferIn und möchten erfahren wie Therapeutic Touch auf vielfältige Weise in der Hospizarbeit und Palliative Care eingesetzt wird? Wie Pflegende und ehrenamtliche Mitarbeiter diese komplementäre Pflegemethode gezielt einsetzen, um den todkranken Patienten ruhige Momente und Entspannung zu geben, so dass diese gelöster ihre verbleibende Zeit verbringen?

Nehmen Sie an einem der Schnupper-Workshops „Therapeutic Touch in der Hospizarbeit und Palliative Care“ teil. Sie wenden Therapeutic Touch bereits an, dann ist der Beyond the Basics-Kurs „TT und Sterbebegleitung“ etwas für Sie. Aktuelle Termine finden Sie hier.

Konnte ich Sie auf die Arbeit der HospizhelferIn neugierig machen? Dann freue ich mich über Ihren Kommentar.

Ihre
Margarete Rosen

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