Drei Frauen, ein Land, durch Krieg zerissen und zweigeteilt.
Dieser Roman könnte nicht aktueller sein.

Marlenes Geschichte paßt in unsere Zeit. Sie erzählt zwar von der Vergangenheit, mit all ihren schrecklichen Kriegsauswirkungen, doch ist sie gerade heute sehr aktuell. Ideologien kämpfen miteinander, so dass der Einzelne auf sein Menschsein reduziert wird und um sein nacktes Überleben bangt.

Marlenes Geheimnis von Brigitte Riebe, Foto: Randomhouse
Marlenes Geheimnis von Brigitte Riebe, Foto: Randomhouse

Eva ist ein junges Mädchen, mit all den Hoffnungen der Jugend und einer Liebe, die den Kriegswirren im 2. Weltkrieg nicht stand hält. Vertrieben, auf sich allein gestellt, mit einem Kind an der Hand, wird das Überleben zu einem täglichen Kampf.
Von einem Auffanglager zum nächsten, Dokumente erhalten, wieder gestohlen bekommen und durch Notlügen sich eine Existenz aufbauen – das sollte uns doch auch heute sehr bekannt vorkommen.

Es geht ganz schnell, ein Flüchtling zu sein!

Ein junger Soldat, der in eine abscheulich-greuliche Kriegs-Tat verwickelt wird. Gebrochen und doch voller Lebenswillen baut er sich ein neues Leben auf und verzweifelt doch. Das Leben in Deutschland war vor dem Krieg beschaulich. Der Krieg riss Familien auseinander. Viele Überlebende sind auf der Flucht und auf der Suche nach einer neuen Heimat.

Brigitte Riebe erzählt 80 Jahre der neuesten deutschen Geschichte in „Marlenes Geheimnis“ feinfühlig und vielschichtig. Die Geschichte ist realistisch, es fehlen gänzlich die dramatischen Übertreibungen, selbst Schlimmes wird ruhig herübergebracht. Für mich ein absoluter Pluspunkt.

Drei Generationen Frauen durch Familienbande miteinander verbunden und doch durch die Zeit entzweit, kommen sich durch ein Tagebuch wieder näher. Der Bodensee mit seinen Apfelwiesen bietet einen landschaftlich schönen Hintergrund, um die Familiengeheimnisse aufzudecken. Die Liebe kommt in „Marlenes Geheimnis“ nicht zu kurz, denn sie spielt auch hier viele verschiedene Rollen, so wie im richtigen Leben eben auch.

Ich habe von Kapitel zu Kapitel mitgelebt. Ja, mitgelebt, da das Erzählte vieles von Früher in mir zum Klingen brachte. Und immer wieder dachte ich, diese schöne und gut geschriebene Geschichte sollten all diejenigen lesen, die heute etwas gegen Flüchtlinge haben.

Denn Flüchtlinge hatten auch einmal ein Zuhause und sind zuallererst einmal MENSCH.

Fazit: Ein wunderbares Buch um es in ruhigen Mußestunden zu lesen. Es kommt sanft mit richtigem Tiefgang daher und hat mich des öfteren über Deutschland nachdenken lassen.

Marlenes Geheimnis

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Auf der Suche nach Heimat.

Brigitte Riebe
Diana Verlag
11.09.2017
gebundene Ausgabe

Warum ich dieses Buch auf meinem Blog vorstelle?

Vielleicht denken Sie, dass es nicht hierher paßt, doch wenn ich mir die Gegenwart anschaue, dann sehe ich großen Handlungsbedarf. Die Menschen brauchen Hilfe und Unterstützung, die erlittenen Traumata zu bewältigen. In meiner Praxis erlebe ich bei meinen Klienten immer wieder die Auswirkungen von Krieg, Gewalt und Vertreibung in Form von körperlichen Schmerzen. Unsere Welt braucht mehr Menschlichkeit. Mit meiner Arbeit leiste ich meinen Teil dazu.

Ihre
Margarete Rosen

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6 Gedanken zu „Marlenes Geheimnis – ein Flüchtlingsschicksal

  1. Liebe Frau Rosen,
    Sie haben meinen Roman bis in die Tiefe verstanden – das macht mich sehr glücklich! Danke für Ihre klugen, einfühlsamen Worte, über die ich mich gefreut habe. Ich teile Ihren wunderbaren Beitag heute gerne auf meiner Facebookseite und grüße Sie dankbar sehr herzlich!
    Ihre Brigitte Riebe

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    • Liebe Frau Riebe, vielen Dank! Es ist gerade in der heutigen Zeit so wichtig, dass wir nicht allzuschnell vergessen, was es bedeutet ein Flüchtling und vertrieben zu sein. Menschen denen die Wurzeln herausgerissen wurden, benötigen neue Erde, damit sie gedeihen können. Ihre Geschichte macht dies auf einfühlsame und berührende Weise bewußt.

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  2. Das Buch werde ich meiner Mutter schenken. Sie ist auch ein Flüchtlingskind und wird sich dann bestimmt mit mir zusammen an früher erinnern.

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    • Hallo Miriam, toll. Ich habe als Kind den Geschichten meiner Großmutter und Mutter über den Krieg gelauscht und konnte nicht genug bekommen. Manches war für mich damals noch unvorstellbar. Zum Glück haben die beiden nicht wirklich grausame Ding erlebt. Geprägt waren sie aber beide doch sehr..

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  3. Liebe Margarete,
    Du hast mich neugierig gemacht. Das Buch werde ich mir auf jeden Fall kaufen und es lesen. Ganz herzlichen Dank für die Vorstellung!
    LG Silke

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    • Danke liebe Silke. Es freut mich sehr, dass ich Dich neugierig machen konnte. Verrate mir dann auch wie Dir das Buch gefallen hat.
      Liebe Grüße
      Margarete

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