Abenteuer in der Klinik – Die Piraten sind los!

In Petra Hillebrand`s Abenteuer-Buch „Glatzkopfzeit“ wirbelt eine Piratenbande durchs Krankenhaus. Wir erleben aus Sicht der Kinder den Klinikalltag inklusive aller Einschränkungen, die die Behandlungen mit sich bringen. In kindgerechter Sprache vermittelt die Autorin das schwere Thema Leukämie.

Glatzkopfzeit Petra Hillebrand
Glatzkopfzeit von Petra Hillebrand

Die neunjährige Jana ist ein aufgewecktes und abenteuerliches Mädchen, deren Phantasie keine Grenzen kennt. Sie will einmal Artistin in einem Zirkus werden. Dafür übt sie jeden Tag. In ihrem Klassenkameraden Kevin hat sie einen Sparringspartner: Wer klettert am höchsten in den Baum? Wer kennt die besten Schimpfwörter? Das Leben ist herrlich.

Doch plötzlich bekommt Jana unerklärliches Nasenbluten. Der Arzt stellt Leukämie fest und Jana muß für eine längere Zeit ins Krankenhaus. Als ihr die Haare ausfallen, gründet sie die Glatzkopf-Piratenbande und kämpft so im Krankenhaus mit den anderen Kindern gegen ihren Krebs.

Jana und ihre Freunde bleiben Kinder. Sie erleben die Aufenthalte im Krankenhaus als Abenteuer. Manche sind schmerzhaft, wie die Infusionen und deren Nebenwirkungen. Doch gibt es auch Abenteuer, die sehr aufregend sind. Clownbesuche und Schminknachmittage bringen Abwechslung in den Klinikalltag.

Für Kinder ist eine Krebserkrankung schwierig zu verstehen. Plötzlich sind sie in einer fremden Umgebung, müssen unangenehme Behandlungsmethoden über sich ergehen lassen, die Erwachsenen reden zwar über aber nicht mit ihnen und ihr Bewegungsradius ist drastisch eingeschränkt. Ängste kommen, die Krankheit wird nicht verstanden.

Ich wollte unterhalten, ohne oberflächlich zu wirken, eine kindgerechte Sprache finden und Kinder in ihrer Erlebniswelt ernst nehmen. (Petra Hillebrand)

Petra Hillebrand schafft mit ihrer Geschichte ein Umfeld von Verständnis, Erklären und Kindsein dürfen. In kindgerechter Sprache werden auch Themen wie Schmerzen, Übelkeit, Einsamkeit, Alleinsein angesprochen. Doch bleibt die Geschichte kindlich froh, voller Möglichkeiten Spaß zu haben und einfach zu leben – jeden Tag, so wie er sich anbietet.

Fazit: Ein Kinderbuch, das Kindern zwischen 8 und 11 Jahren das Thema Leukämie näher bringt. Dabei Ängste nimmt und „über Krebs reden“ spielerisch möglich macht.

Petra Hillebrand kenne ich schon einige Jahre und bin ein absoluter Fan ihrer Bücher. Sie schreibt lyrisch über Burnout und Abschiednehmen bei schweren Krankheiten. Auch hat sie ein zauberhaftes Trauerbuch für verwaiste Eltern herausgebracht. Mittlerweile stehen wir im regen Informationsaustausch. Ich durfte den ersten Entwurf der Geschichte lesen, der für Kinder zwischen 8 und 12 Jahre gedacht war. Auch erlebte ich die Suche nach einem Verlag hautnah mit. Hier kann ich jedem Autor/Autorin nur raten: Gebt nicht auf und schaut, was der einzelne Verlag gerade sucht. Ich danke Petra dafür, dass ich in den Entstehungsprozess bis zum druckfertigen Buch hineinschnuppern durfte. Eine wahrlich bereichernde Erfahrung.

Nun liegt das Buch druckfrisch auf meinem Tisch. Versehen mit einer liebevollen Widmung. Natürlich nehme ich dies zum Anlass meine Fragen an Petra zu stellen.

Interview mit Petra Hillebrand

Petra Hillebrand
Petra Hillebrand

Der Stachelbart-Verlag hat dich gebeten, das Buch im Hinblick auf das Alter der jüngsten Leser (8 Jahre) zu überarbeiten. Deshalb musstest Du die Geschichte überarbeiten, Kapitel entfernen, Szenen herausnehmen und die Sprache auf die jüngere Altersgruppe anpassen. Wie war das für dich: dieser Prozess des „Abspeckens, Anpassens und Minimierens“?

Für mich war es eine interessante Erfahrung, ein wichtiger Lernprozess.
Ich bekam die Vorgabe, dass mein Manuskript um mindestens 30 bis 40 Seiten gekürzt werden sollte, hatte dafür aber vorher ein Gespräch mit Holm Schneider vom Stachelbart-Verlag, der selbst schon viele Bücher geschrieben und wohl auch überarbeitet hat und von dem ich viel gelernt habe. So wusste ich in etwa, wo ich beim Überarbeiten ansetzen konnte.

Natürlich musste ich mich von einigen Szenen trennen, bei denen ich detaillierter auf bestimmte Situationen eingegangen war, aber insgesamt ist das Buch nun spannender, denn einige Stellen waren vorher wohl zu langatmig. Ich finde, mein Buch hat durch das Kürzen stark gewonnen und ist nun auch von 8-Jährigen gut lesbar.

Wie bist Du gerade auf die Idee gekommen ein Kinderbuch über eine Krebserkrankung zu schreiben? Hast du Berührungspunkte zur Geschichte in deinem Alltag? Du beschreibst den Klinikalltag und Krankenhausaufenthalt sehr klar.

Da ich auf einer onkologischen Station arbeite, war es naheliegend, dieses Thema aufzugreifen, denn es berührt mich sehr. Allerdings arbeite ich auf einer Station mit erwachsenen Patientinnen. Diese Frauen darf ich ein Stück ihres Weges begleiten und habe schon vieles von ihnen gelernt.

Mit dem Vorsatz, endlich auch einmal ein Kinderbuch zu schreiben, wollte ich aber ein Kind in der Hauptrolle haben. Im Klinikgelände bin ich immer wieder Kindern begegnet, die während ihrer Krebsbehandlung in ihren Betten durch die Gänge geschoben wurden. Da fing bei mir dann manchmal das Kopfkino an zu laufen, mit unzähligen Fragen: Wie fühlt sich so ein Kind während der Chemotherapie? Was passiert auf der Kinderonko mit ihm? Wie könnte es für ein sehr lebhaftes Kind sein, die Begrenzungen dieser Krankheit zu erleben?

Mit all diesen Fragen machte ich mich dann auf und begann zu recherchieren. So ist dieses Buch entstanden, wobei es darin nicht nur um die Krebserkrankung und die Bewältigung derselben geht, sondern vor allem auch um Freundschaft und darum, wie wichtig auf diesem fordernden Weg Familie und Freunde sind.

Konntest du bei den Zeichnungen mitreden? Dir ggf. den Zeichner mit-aussuchen? Ich muß gestehen, dass mir die Zeichnungen nicht gefallen, leider. Doch gebe ich zu, dass ich durch das Vorablesen schon meine eigenen Bilder im Kopf hatte. Diese passen nicht mit dem Stil des Zeichners zusammen.

Der Stachelbart-Verlag hat mich gefragt, ob ich schon einen Illustrator hätte. Hatte ich nicht. Also zeigten sie mir Bücher von Illustratoren, die für sie bisher gearbeitet hatten. Ich entschied mich für Peter Guckes, einen sehr netten Illustrator aus Berlin.
Ich durfte beim Entstehungsprozess der Bilder dabei sein, konnte auch die eine oder andere Anregung für eine mögliche Änderung einbringen. Insgesamt habe ich ihn aber einfach machen lassen, denn ich bin nur die Autorin und er ist der Künstler, der seinen Stil hat und vermutlich am besten weiß, wie er verschiedenes aufgreifen und darstellen kann.

Schimpfwörter-Dart Petra Hillebrand Foto:
Schimpfwörter-Dart mit Petra Hillebrand
Foto: Sonja Grafenstätter

Das Buch ist im Februar 2017 herausgekommen. Welche Resonanz hast Du bekommen?

Die Rezensionen waren bisher durchwegs positiv (was mich natürlich sehr gefreut hat).
Kinder, die das Buch gelesen hatten, meldeten mir zurück, dass sie es spannend und phasenweise sehr lustig fanden. Das war mir eine wichtige Bestätigung auf meinem Weg, denn ich wollte für Kinder nie ein Buch schreiben, das nur tragisch ist (davon gibt es – gerade zu diesem Thema – leider schon genug…).
Ich wollte unterhalten, ohne oberflächlich zu wirken, eine kindgerechte Sprache finden und Kinder in ihrer Erlebniswelt ernst nehmen.
Insgesamt ist es etwas schwierig, das Buch an die Zielgruppe zu bringen. Das könnte auch daran liegen, dass Erwachsene vermutlich eine große Hemmschwelle haben, Kinder mit dem Thema Krebs zu konfrontieren.

Aber ob sie es wollen oder nicht. Kinder sind damit sowieso konfrontiert – auch wenn man nicht darüber redet. Sie hören, „der oder die ist an Krebs gestorben“ und speichern das, erleben, dass Verwandte oder Nachbarn schwere Krankheiten bekommen können.
Bei meinen Lesungen ist mir aufgefallen, dass das Thema Krebs in den Köpfen der Kinder oft ganz eng mit dem Thema Tod verknüpft ist. Da bringe ich dann ganz bewusst einen wichtigen anderen Aspekt dazu. Nicht alle sterben an Krebs. Man kann diese Erkrankung auch überleben. Und das gibt dann hoffentlich auch Hoffnung.

Kommst Du für eine Buch-Lesung vor Ort? Wenn ja, zu welchen Bedingungen?

Petra Hillebrand Foto:
Petra Hillebrand
Foto: Sonja Grafenstätter

Grundsätzlich mache ich gerne Lesungen, freue mich, wenn ich mein Buch vorstellen darf, die Kinder so richtig aus sich herausgehen, mir Fragen stellen und ihren Spaß beim Spiel „Schimpfwörter-Dart“ haben, das ich dabei meist mit ihnen spiele (denn die zwei Hauptdarsteller des Buches spielen dieses Spiel, das ich extra für dieses Buch erfunden habe, ja auch).
Allerdings gibt es bei mir natürlich auch räumliche Grenzen. Ich wohne in Tirol, bin berufstätig und habe Familie – da muss ich mit meinen vorhandenen Ressourcen schon ein wenig haushalten. Anfragen geht immer (Emailadresse: petra.hillebrand@utanet.at). Dann werden wir sehen.

Liebe Petra, hast Du schon ein neues Projekt in Angriff genommen? Oder schwebt das neue Vorhaben noch im Reiche der Phantasie?

Schreiben ist ein wichtiges Hobby von mir. Also klopfe ich immer etwas in den Computer und freue mich, wenn die Figuren Eigenleben entwickeln.
Momentan entsteht gerade ein Manuskript, das das Thema Demenz aufgreift. Aber auch eine Piratengeschichte nimmt langsam Form an. Seit 14 Tagen spukt außerdem eine Buchidee in meinem Kopf herum, die sich offensichtlich vordrängen möchte. Mal sehen, was daraus wird 😉

Vielen Dank, liebe Petra, für das Interview. Du hast mich auf Deine nächsten Projekte schon ganz neugierig gemacht. Und ich hoffe in das eine oder andere auch wieder im Vorfeld hineinschnuppern zu dürfen.

Glatzkopfzeit Foto: Stachelbart-Verlag
Glatzkopfzeit

Glatzkopfzeit
Petra Hillebrand
Stachelbart-Verlag
Altersgruppe: 8 – 11 Jahre

Fazit: Ein Kinderbuch, dass Kindern zwischen 8 und 11 Jahren das Thema Leukämie näher bringt. Dabei Ängste nimmt und „über Krebs reden“ spielerisch möglich macht. Absolut geeignet für Grundschulen, Krankenhäuser und Therapeuten.

Noch eine kleine Bitte: Bestellen Sie das Buch direkt beim Stachelbart-Verlag, so unterstützen Sie, dass weitere Projekte umgesetzt werden können. Die großen Internet-Bestell-Shops sind für uns als Nutzer sehr bequem, doch bleiben dem Autor/Verlag nur Cent-Beträge als Verdienst.

Ihre
Margarete Rosen

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6 Gedanken zu „Glatzkopfzeit – Abenteuer in der Klinik

  1. Danke Margarete,
    dass Du mich auf dieses Buch aufmerksam machst. Ich schaue mal, ob meine Buchhandlung es vorrätig hat. Ansonsten bestelle ich es gleich.

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  2. Ein wichtiges Buch auch für nicht betroffene Kinder.
    Gerade rechtzeitig wurde ich Dank Margaretes Hinweis darauf aufmerksam gemacht. Ein wunderbares Weihnachtsgeschenk für Kinder im entsprechenden Alter.

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    • Hallo Margarita, Piraten lieben alle Kinder. Diese bestimmt noch mehr, da sie so voller kindlichem Abenteuergeist stecken. Die Kinder bekommen ein Gefühl für die mysteriöse Krankheit Krebs/Leukämie.

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