„TT op afstand: kan dat wel?“
Artikel aus der niederländischen Fachzeitschrift TT-Wijzer Nr. 63, winter 2011, Seite 12 + 13, von Martine Busch, übersetzt ins Deutsche von Margarete Rosen

Originalartikel Download (TT of afstand – kan dat wel?  TT-Wijzer Nr 64, 12 – 13, 2011)

Nach Veröffentlichung des Interviews mit Annelies de Nooijer, worin sie angab manchmal TT via Twitter zu geben, sind Fragen über Therapeutic Touch per Fernbehandlung aufgekommen. Geht das eigentlich und ist es dann noch Therapeutic Touch? Auch auf der RCP-Versammlung wurde eine lebhafte Diskussion darüber geführt, wobei ernste Besorgnis geäußert wurde den guten Ruf der TT-Methode zu wahren, woran seit vielen Jahren mit Sorgfalt gearbeitet wurde.

Ist es oder ist es kein TT?

Mit aller Deutlichkeit: Die Pflegeintervention Therapeutic Touch ist allein die, die man auf den Körper – und mit kurzem Abstand – an eine Person gibt. So steht es in der Pflegeliteratur, so lehren wir es in unseren Kursen, so passen wir es in der Pflege an und daran halten wir uns. Aber es soll jederzeit Menschen geben, die eine Behandlung auf Abstand geben und das mit Erfolg. Auch im TT-Wijzer werden regelmäßig Beispiele erwähnt. Wenn wir davon ausgehen, dass TT eine Kombination von Andacht, Intention und Handbewegungen ist, dann ist es nicht fremd, dass einige TTler es auch ausprobieren ob es nur mit Andacht und Intention (bewusster Absicht) wirkt. Und das scheint in der Tat auch so erfahren zu werden. Aber formell ist dies kein TT!

Funktioniert es?

Im Laufe der Jahre wurde die Behandlung auf Abstand (Fernbehandlung) mit diversen Techniken untersucht, Beten, Reiki, verschiedene Heilungsmethoden. Die Ergebnisse sind sehr unterschiedlich. Eine vor kurzem durchgeführte Studie über Reiki auf Abstand bei Schmerzen nach einem Kaiserschnitt, stellte keinen Unterschied über den Grad der Schmerzen fest. Wohl hatten die Frauen in der Reiki-Gruppe einen niedrigeren Blutdruck und Herzschlag. Eine systematische Auswertung verschiedener Untersuchungen ließ ebenfalls keine Veränderung bei „distant healing“ beim chronischen Müdigkeit-Syndrom erkennen.
Wohl tritt eine Veränderung auf, wenn man weiß, dass man behandelt wird. Das stellte eine Untersuchung mit Rheumapatienten fest. Diejenigen, die wussten, dass sie auf Abstand behandelt wurden, fühlten sich besser und hatten weniger Schmerzen. Ob sie daran glaubten oder nicht, machte keinen Unterschied. Menschen, die wissen, dass sie behandelt werden sollen, sind sich in dem Moment auch besser ihrer Beschwerden bewusst. Vielleicht gibt das einen Impuls in Richtung mehr Wohlbefinden. Eine kleine Untersuchung mit Menschen mit chronischen Schmerzen, die durch einen japanischen Heiler auf Abstand behandelt wurden, ließ auch eine Verbesserung bei der experimentellen Gruppe sehen.
Es ist deshalb nicht einfach, eindeutig anzugeben, ob Behandlungen auf Abstand die Beschwerden reduzieren.
Den Einfluss von Fernbehandlungen hat schon eine ältere Untersuchung von Braud und Schlitz aufgeworfen. Sie haben in den 90er Jahren mehr als 30 Experimente von „distant mental influence on living systems“ zusammen gefasst und statistisch ausgewertet. Mit dem Resultat, das Intention als Behandlung, in welcher Variante auch, eindeutig nicht einen dem Zufall zuzuschreibenden Effekt auf den physiologischen Zustand des Empfängers hat.

Wie?

Dean Radin und seine Kollegen bauten darauf auf und überlegten sich ein neues Experiment um den Effekt von Intention auf das autonome Nervensystem des Empfängers zu untersuchen. Sie wollten vor allem wissen, welche Elemente bei der Behandlung auf Abstand mitspielen können. Dafür teilten sie 36 (echte) Paare in drei Gruppen ein. Von jedem Teilnehmer wurde der Hautwiderstand gemessen. Der empfangende Partner saß entspannt in einem abgeschirmten Raum, während der sendende Partner einige Male 10 Sekunden lang seine ganze heilende Intention auf den anderen richtete. Von jedem Paar war einer ein Krebspatient. In der ersten Gruppe wurde der gesunde Partner erst trainiert im Senden der heilenden Intention zum Patienten und anschließend gefragt, ob er dies drei Monate lang täglich machen wollte, bevor die Messungen beginnen sollten. In der zweiten Gruppe wurde der Hautwiderstand gemessen, ohne dass der gebende Partner trainiert worden war. Aber er sollte es danach erlernen. Dies war die „Warteliste“-Gruppe. Die dritte Gruppe wurde überhaupt nicht trainiert im Senden von heilender Intention.
Während der Intentions-Perioden nahm der Hautwiderstand wie erwartet zu, am stärksten bei der trainierten Gruppe, etwas weniger bei der „Warteliste“-Gruppe und noch weniger bei der Kontrollgruppe. Die Untersucher schlussfolgerten, dass heilende Intention – Behandlung auf Abstand – Einfluss auf das autonome Nervensystem des Empfängers hat. Und es weist darauf hin, dass eine starke heilende Intention diesen Effekt verstärkt, bestimmt wenn derjenige darin trainiert ist.
Als TTler ist man hervorragend trainiert im Arbeiten mit Intention, deshalb mag man erwarten, dass Behandeln auf Abstand möglich ist.  Aber ob eine Verbesserung der Beschwerden nun die Folge der Behandlung oder der Erwartungen des Empfängers sind, ist nicht deutlich geworden. Es gibt noch viel, was wir nicht wissen. Das Menschen mit Behandlungen auf Abstand gute Erfahrungen machen und  froh damit sind, lässt das Beispiel von Annelies sehen. Aber formell ist dies kein TT.

Quellen/Literatur:

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  • Nimwegen M van, Social media en TT. TT-Wijzer, zomer 2011, 16, 2(62):4-8.
  • Radin D, Stone J, Levine E, Eskandarnejad S, Schlitz M, Kozak L, Mandel D, Hayssen G. Compassionate intention as a therapeutic intervention by partners of cancer patients: effects of distand intention on the patients´autonomic nervous system. Explore (NY). 2008 Jul-Aug;4(4):235-43
  • Schlitz M, Braud W. Distant intentionality an healing: assessing the evidence. Alternative Therapies in Health an Medicine, 1997,3(&)62-73.
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