Artikel aus der niederländischen Fachzeitschrift TT-Wijzer Nr. 61,  Seite 8 – 10
von Martine Busch im Frühjahr 2011
übersetzt ins Deutsche von Margarete Rosen

Originalartikel Download (Word Arbeiten mit Energie von Jeff Levin)
„Werken met energie: wat ist dat eigenlijk?
TT ist eine energetische Intervention. Wir unterstellen, dass wir das Energiefeld beeinflussen. Wir geben zu, dass wir nicht wissen, was das Energiefeld präzise ist. Es gibt wenig wissenschaftliche Beweise für das Bestehen des Energiefeldes, und können noch weniger auf Grund von fehlenden Beweisen etwas über die Art und Qualität dieses Energiefeldes aussagen. Es gibt sehr viele Erfahrung, nicht nur bei TTlern, sondern auch bei verschiedensten Therapeuten und Heilern auf der ganzen Welt. Wenn man die Erfahrungen nun sammelt und beschreibt, bekommt man dann mehr Einsicht in „Energiearbeit“? Das ist das, was Prof. Jeff Levin in seinem kürzlich erschienen Übersichtsartikel in der Zeitschrift Explore, The Jounal of Science and Healing zu beschreiben versucht.

Großer Baum
In englisch wird das Wort „energy healing“ oder nur „healing“ benutzt für alle verschiedenen Behandlungsmethoden, die auf das Beeinflussen des Energiesystems des Menschen gerichtet sind. Aber weil es so viele verschiedene Techniken mit ebenso vielen Quellen gibt, bedeutet der Begriff nicht für jeden das gleiche. Einige sehen „healing“ als eine Intervention, wie bei TT. Für andere hat es mit dem Resultat – Vermindern von Beschwerden – zu tun und wieder andere beschreiben „healing“ als einen Prozess um gesund zu werden. Und für einige bedeutet es alles zusammen: „healing“ wird angewendet durch „healer“ und stimuliert den Heilungsprozess, so dass der Patient „heil“ wird. Verwirrend.
Darüber was „Heiler“ sind und was sie tun, besteht doch viel Unklarheit. Das hat sicher auch mit den unterschiedlichen Quellen, worauf sich die verschiedenen Energietechniken berufen, zu tun.
Wenn wir einen Stammbaum für „healing“ erstellen sollten, sagt Levin, dann finden wir unten ein feinmaschiges Netzwerk von Wurzeln aus alten Zeiten und verschiedenen Kulturen, woraus mehrere Stämme wachsen, mit einer enormen Anzahl an Ästen und Zweigen. Hoch oben in der Krone sieht man durch das dichte Blätterdach und die vielen Verästelungen kaum noch den Stamm.
Im 21. Jahrhundert sind die modernen Ausläufer dieses Jahrhunderte alten Stammbaums inzwischen angepasst an die Berufsregeln der heutigen Gesundheitsvorschriften. Komplett mit Geschicklichkeits- und Trainingsniveaus, Zertifizierung und Protokoll. So machen wir es auch mit TT. Wir wollen, dass professionelle Pflegende, die diese Technik gelernt haben, diese auch verantwortlich innerhalb ihrer regulären Arbeit anwenden können. Darum wurde eine Standartmethode entwickelt, die in einem Kurs gelehrt und überprüft wird. Inzwischen ist TT durch die Berufsgenossenschaften anerkannt. Was für TT gilt, ist auch auf andere Energiemethoden anwendbar wie Healing Touch, die Bennan Healing Science (Barbara Brennan) und in zunehmendem Maße auch für Reicki: Alle versuchen ihre Methode systematisch zu ordnen, zu testen und zu zertifizieren. Daneben gibt es auch „Heiler“ die es lieben auf eine völlig eigene Art zu arbeiten – meistens intuitiv oder mit einem speziellen spirituellen Hintergrund – aber diese finden gewöhnlich keinen Anschluss an die reguläre Gesundheitsvorsorge.

Vier Kategorien
Levin versucht das Wirrwarr zu Ordnen, in dem er vier Kategorien unterscheidet.
1.    Eine Ost-asiatische Tradition, mit u. a. Reicki und QiGong, aber auch mit Jin Shin do, eine sanfte Form der Akupressur. Wie groß auch die Unterschiede in Theorie und Methodik sind, haben sie alle einen fundamentalen Grundsatz gemein. Sie gehen alle vom Bestehen des Chi, der Lebensenergie, aus, die durch subtile Kanäle strömt. Somit beziehen sie sich alle mehr oder minder auf die Traditionelle Chinesische Medizin.
2.    Eine westliche professionelle Tradition vor allem innerhalb der Berufsgruppe der Pflegenden, mit TT und healing touch als meist bekannteste Formen. Auch diese Methoden beruhen auf der Anerkennung von subtiler Energie als Ausgangspunkt, die  zuerst durch das Enstehen einer holistischen Sichtweise innerhalb dieser Berufsgruppen entwickelt wurden. Die holistische Menschensicht stellt Gesundheit und Wohlbefinden zentral in den Vordergrund und nicht das Stellen von Diagnosen und Behandeln von Krankheiten. Darum passen diese Methoden auch besser zu diesen Berufsgruppen als zu Ärzten.
3.    Eine bio-energetische Tradition, mit Osteuropa und Russland als Wiege. In den Niederlanden/Deutschland ist dies weniger bekannt, hier geht es vor allem um individuelle „Heiler“, wie der Pole Mietek Wirkus, mit der Annahme einer untrennbaren Beziehung zwischen spiritueller Dimension und biochemischem und biophysischem System des Menschen. Dies führte im Russland des letzten Jahrhunderts zu allerlei Untersuchungen über die bioelektromagnetische Basis der Energiearbeit, wie auch der Kilianfotographie.
4.    Eine moderne metaphysische (spirituelle) Tradition, mit individuellen „Heilern“ die ihre eigenen Methoden entwickelten und anwenden, oft angelehnt an die New Age Bewegung. Sie benutzen eine spirituelle Sprache basierend auf mehreren Weisheitstraditionen, fühlen sich oft in Verbindung stehend mit spirituellen Wesen und sind stark intuitiv oder selbst paranormal veranlagt. Der bekannteste Heiler dieser Kategorie ist Barbara Brennan.

Kernbegriffe
Nach dieser ersten Unterteilung sah Levin sich diese vielen Methoden an und suchte ob Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu finden seien. In seiner Analyse stellte er fest, dass auf fünf Hauptfragen die verschiedenen Methoden alle eine Antwort zu geben versuchen.
1.    Zuallererst benutzen alle Methoden die Idee der Quelle des Heilungsprozesse und die Art worauf dieser Prozess beim Patienten in Gang gesetzt wird. Einige sehen Gott als Quelle, andere den Kosmos, wieder andere, wie TTler Janet Quinn sind davon überzeugt, dass alle Heilung Selbstheilung ist und das man mit einer energetischen Intervention besonders die Selbstheilungskräfte stimuliert. Der Heiler sorgt, dass dieser   Prozess stattfindet, in dem er je nach dem als Kanal für die kosmische Energie wirkt.
2.    Alle Methoden brauchen den Begriff der Energie, aber was verstehen sie eigentlich darunter? Auch dies erscheint sehr verschieden. Einige Energiemethoden sehen die subtile Energie mehr als Metapher und glauben dass es eigentlich die Intention und Mitgefühl des Heilers ist, die den Heilungsprozess fördert, während andere die Energie als ein reales physisches Phänomen ansehen.
3.    Ein drittes Thema, das überall wiederkehrt, betrifft die Vorbereitung des Heilers. Die meisten bereiten sich vor in dem sie bewusst in einen veränderten Bewusstseinszustand wechseln. Bei einigen ist es ein Zustand von Trance, aber meistens geht es um so etwas wie zentrieren, wie wir es bei TT tun. In jedem Fall fordern alle Energiemethoden eine bestimmte Form von Andachtstraining vom Heiler.
4.    Der vierte Punkt hängt hiermit zusammen: Die meisten Heilungsmethoden beruhen auf der Authentizität des Heilers. Das bedeutet, um während der Behandlung effektiv zentriert zu sein, muss man sich auch außerhalb der Behandlung auf einen reinen Geist besinnen. Das Verstärken der eigenen spirituellen Fähigkeiten hat wiederum einen positiven Effekt auf die Behandlungen.
5.    Und dann ist da natürlich der Empfänger, der Patient. Einige Methoden fragen den Patient um aktive Mitarbeit, z. B. Aufmerksamkeit auf das Atem holen zu richten. Andere sagen, dass ausschließlich der Patient verantwortlich ist für seinen Heilungsprozess, und Dora Kunz ist jedoch davon überzeugt, dass die Haltung des Patienten nicht ausschlaggebend für den Effekt der Behandlung ist.
Levin fand auch noch andere Themen die mit diesen fünf Punkten zusammenhängen, wie die Idee, dass der Mensch über das Vermögen besitzt um den Heilungsprozess bei einem anderen zu stimulieren durch den Gebrauch seiner Hände, oder auch ohne direkten Kontakt mit dem Körper und sogar auf Abstand. Auch gehen viele Methoden davon aus, dass die Energie „weiß“ wohin sie sie fließen muss und was notwendig ist. Die Rolle des Heilers ist dann dies zu ermöglichen, manchmal durch eine Intention im Stile von „Lass los und Gott macht“, manchmal auch sehr aktiv durch spezielle Handbewegungen und manchmal ist es eine Kombination von Beidem. Obwohl diese Themen überall zu finden sind, gibt es keine Übereinstimmung, selbst nicht über den fundamentalsten Begriff, nämlich der Energie. Das macht es nicht einfacher um zu begreifen, was eigentlich beim Arbeiten mit Energie geschieht.

Technik macht nichts aus
Also probierte Levin es über eine andere Betrachtungsweise. Wenn es keine Klarheit über Kernbegriffe und spezifische Techniken gibt, macht es dann eigentlich etwas aus, welche Technik man anwendet? Vermutlich nicht, folgerte Levin.
Er zog hier die Parallele zu seinem eigenen Untersuchungsgebiet der Religion. Darin wird in den Religionen unterschieden zwischen dem exoterischen und dem esoterischen Weg. Der exoterische Weg ist die bekannt Außenseite der Religion: organisierte Liturgien, Rituale und Gebete, religiöse Festtage, Dogmen und Doktrinen.
Der esoterische Weg bezieht sich auf die Innenseite, die persönliche Erfahrung mit Gott, genährt durch asketisches Leben, Meditation und transzendente Bewusstseinserfahrungen. Die Außenseite der verschiedenen Religionen unterscheiden sich enorm, aber in ihrer Spiritualität stimmen sie bemerkenswerterweise überein. Eine interessante Frage ist dann, was die einzelnen Menschen zu wahrer Spiritualität bringt.
Zurück zu Heilungstechniken; das sind die Rituale, so könnten wir sagen. Was ist es dann, was den einzelnen Behandler wirklich effektiv macht, was sind innerhalb der gewählten Technik die spezifischen Merkmale die jemanden zum Heiler machen?

Zuallererst, sagt Levin, muss man eine bestimmte Technik sehr gut beherrschen, man kann nicht nur etwas rummachen. Die Technik hilft ihm um sich zu kanalisieren und die Aufmerksamkeit zu fokussieren. Aber ob man die Hände gebraucht oder nicht, glaubt oder nicht  an das vorhanden sein von Energie, begleitende Gesten benutzt oder nicht, scheint von weniger großer Bedeutung zu sein als die Persönlichkeit des Behandlers, die innerhalb der Technik zum Ausdruck kommt. Er muss eine Technik wählen, die zu ihm passt. Für den einen ist es z. B. QiGong für den anderen TT.

Worum es wirklich geht
Alle Methoden sind sich darüber einig, dass es also auf spezifische Persönlichkeitsmerkmale ankommt.
1.    Ein Heiler muss seine Aufmerksamkeit fokussieren können, oder wie wir bei TT sagen: er muss erst lernen zu zentrieren. Dora Kunz sagt, dass zentrieren der schwerste Schritt von der ganzen Methode ist, weil es viel Selbstdisziplin erfordert. Aber wenn es gelingt, dann will man nicht mehr ohne, denn zentrieren bringt einem selber innere Ruhe und man kann seine Aufmerksamkeit auf Andere richten.
2.    Die folgende notwendige Eigenschaft ist, dass man aus der zentrierten Position heraus der eigenen Intention eine Form geben kann. Und die Intention hat immer mit offen sein für den Energieaustausch und unterstützen der Selbstheilungskräfte des Patienten zu tun.
3.    Dieses bekommt erst recht seine Wirkung, wenn es gefüttert wird durch Mitgefühl, durch unvoreingenommene Liebe. Ohne Mitgefühl kann man nicht als Heiler funktionieren, folgert Dora Kunz, es ist die Basis von allem.
Das also ist es, worum es geht: Andacht, Intention und Mitgefühl und, sagt Levin, diese drei Fähigkeiten kommen nicht von selbst, man muss etwas dafür tun. Wichtiger noch, man muss ständig etwas dafür tun, man muss sie pflegen in dem man sich in seinem eigenen Leben nach spirituellen Werten und Praktiken ausrichtet.

Literatur:
Busch, Martine, Werken met energie: wat ist dat eigenlijk?, TT Wijzer, Nr. 61, Lente 20, S. 8 – 10
Levin, Jeff, Energy healers: Who they are and what they do, Explore, 7 (1), 13 – 26