Wechseljahre: Vom Schmerz des Abschiednehmens!

 

Wechseljahre – Trauerjahre

„Was wäre, wenn inmitten all der anderen alltäglichen Themen wieder einmal überall von der Trauer erzählt würde? Was wäre, wenn wir uns an diesem Tag gemeinsam bewusst machen, dass sie uns alle auf ihre Art miteinander vereint? Was wäre, wenn wir uns auch alle gegenseitig ein wenig inspirieren für den jeweils ganz eigenen Weg mit der Trauer?“, fragt Silke Szymura und ruft auf ihrem Blog zu „Alle reden über Trauer“ auf. Sie lädt mit Ihren Fragen ein, sich dem Thema von einer sehr persönlichen Seite zu nähern.

Bei der ersten Aktion im Jahr 2017 war mein Artikel einer von rund 100 eingesandten Beiträgen. Jetzt ruft Silke wieder auf, rund um das Thema Trauer zu schreiben. Schon viele Menschen haben ihren persönlichen Beitrag angekündigt – so wie ich. Am 25.03.2019 gehen alle Beiträge zu „Alle reden über Trauer 2019“ online. Da Silke das Thema „Trauer“ sehr offen hält, möchte ich von meinem letzten Jahr berichten.

Abschiednehmen stimmt mich traurig!

Ich bin 56 Jahre alt und mittendrin in den Wechseljahren. Dies zeigt sich nicht nur körperlich, sondern auch auf vielen anderen Ebenen. So vieles hat sich angehäuft, angesammelt und auch unliebsam eingespielt.

Zu Beginn des Jahres 2018 merkte ich immer mehr, dass es so nicht weitergehen kann. Der Ballast vieler Jahre schien mich gänzlich zu erdrücken. Ich bekam keine Luft mehr. Konnte nur schwer den nächsten Schritt gehen und dachte, dass ich jetzt richtig alt werde. Nichts ging mehr. Ich fühlte mich verloren.

An einem solchen Tiefpunkt merkte ich, dass jetzt Zeit zum Ausmisten ist.

Langsam begann ich mich im Haus umzusehen, Schubladen zu öffnen und mich von deren Inhalt überraschen zu lassen. Vieles fand ich dort. Praktisches, noch Nützliches, Notwendiges und Altes, manches liebgewonnen, anderes verbraucht oder emotional abgenutzt. Mich von diesen Dingen zu trennen, verursachte so manchen Schmerz. Trauer, Wut und auch Freude wechselten sich ab und brachten mich weiter aus dem Gleichgewicht. Einiges konnte ich leicht aussortieren, anderes riss alte Wunden auf. Ich mußte noch einmal durch den Schmerz hindurch. So manches Mal überkam mich tiefe Traurigkeit. Doch letztendlich war es befreiend, mich von vielen alten Erinnerungsstücken zu trennen. Das Atmen fiel mir zunehmend leichter.

Auf einer anderen Ebene begann ich damit, meine Freundschaften zu überdenken. Einige sogenannte Freunde verursachten mir keine guten Gefühle mehr, eher waren es Gefühle von Pflicht oder Schwere. Ich habe, wenn möglich, das Gespräch mit ihnen gesucht und mich soweit möglich in Frieden getrennt. Doch das sich dabei einstellende Gefühl von Trauer, tief und schmerzhaft, hat mich doch überrascht. Es kam aus meinem Bedürfnis heraus nicht alleine zu sein und geliebt zu werden. Doch wie so oft, hatte auch ich mich an Menschen gebunden, die das genaue Gegenteil von dem was ich brauche, genährt haben. Seit der Trennung von ihnen kann ich schmerzfreier gehen.

Ebenfalls habe ich mich beruflich von vielen, meist selbst auferlegten Verpflichtungen verabschiedet. Dies führte zuerst zu einem Gefühl der absoluten Desorientierung. Wer bin ich? Wo stehe ich? Wo will ich hin? Auf diese Fragen fand ich sehr lange keine Antworten. Erst als ich statt nach Antworten zu suchen den Gefühlen von Alleinsein und Hilflosigkeit nachgab, konnte die Trauer ihren Platz einnehmen. Und traurig war ich, so tief und verletzt, dass ich mich in mich zurückgezogen habe und wochenlang mein Herz schmerzte. Doch mit der Zeit kam das Verstehen. Ich bin nicht alleine. Liebe Menschen begleiten mich schon lange. Egal welchen Weg ich einschlage, es wird jeder Schritt eine Erfahrung sein. Und … ich darf traurig sein!

„Jean Perdu dachte an Hesses Stufen, Die meisten Menschen kannten natürlich diesen Satz ,Und in jedem Anfang wohnt ein Zauber inne …‘ Doch die Ergänzung ,der uns beschützt und der uns hilft zu leben‘ kannten nur noch wenige – und dass es bei Hesse nicht um Neuanfang ging, verstand fast niemand.
Sondern um die Bereitschaft zum Abschied.
Abschied von Gewohnheiten.
Abschied von Illusionen.
Abschied von einem Leben, das längst vorbei und in dem man selbst nur noch eine Hülle war, in der sich ab und an ein Seufzer regte.“
Aus: Nina George, Das Lavendelzimmer, Seite 268

Ich bin immer noch in den Wechseljahren. Ich befinde mich im Wandel. Von einer fruchtbaren Mutter werde ich zur alten weisen Frau. Doch der Weg dorthin ist mitunter steinig und schwer. Eine liebe Bekannte sagte einmal: „Die Wechseljahre dauern Jahre! Laß Dir Zeit und verändere Dich in Deinem Tempo!“

Rückblickend ist meine wichtigste Erkenntnis: Trauer braucht ihren Platz. Ob laut oder leise, schmerzhaft oder sanft, gebe ich mich ihr hin, kann sie reifen und sich zu etwas Neuem verändern. Trauer in den Wechseljahren bedeutet für mich, dass ich Abschied nehmen darf von Dingen, Menschen und Verhaltensweisen, um die zu sein, die ich bin.

Abschiednehmen ist manchmal traurig und gleichzeitig hoffnungsvoll. Trauer hat so viele Facetten, dass jede ihre Berechtigung hat und sie dauert so lange, wie sie eben dauert.

Ich danke Silke für die Anregung, sich mit meiner persönlichen Trauer noch einmal auseinanderzusetzen und hoffe, ich kann Dich mit meinem Beitrag zum Nachdenken anregen. Vielleicht magst Du mir von Deinem eigenen Umgang mit der Trauer berichten?

Deine
Margarete Rosen

Findest Du den Beitrag informativ? Dann teile ihn mit anderen, in dem Du auf die Button unter dem Text klickst.

Hier findest Du die aktuellen Kurstermine.

Du möchtest Unterstützung für Deine persönlichen Anliegen in Form einer Anwendung? Nimm mit mir Kontakt auf.

8 Kommentare

  1. Pingback:Entrümpeln – Therapeutic Touch West

  2. Trauer … Aufräumen … Trauer und Schmerz … Abschiednehmen und Loslassen … Trauer … Orientierungslosigkeit und Hoffnung … Traurigsein … auf Neues einlassen … sich ausprobieren …

    Liebe Margarete,
    die Beschreibung der Achterbahn Deiner Gefühle hat mir in meiner derzeitigen Orientierungslosigkeit auf die Sprünge geholfen!
    Mir wurde deutlich, dass ich diese Gefühlszustände im Zuge von Entwicklungen und Ereignissen mal mehr mal weniger stark erlebe, doch es bei meinem Aufräumen und Loslassen noch hapert, was heißt, dass ich notwendige Schritte überspringe. Lieben Dank dafür!

    • Liebe Evelyn, auch ich empfinde Trauer als einen Prozess des Loslassens verbunden mit Schmerz, der letztendlich zu Entfaltungsmöglichkeiten führt.

  3. Liebe Margarete,
    du sprichst mir aus dem Herzen. Auch mich schmerzen die Wechseljahre mitunter recht heftig. Schön zu lesen, dass ich nicht alleine bin.
    Die Aktion „Alle reden über Trauer“ ist toll. Ich habe schon einige Beiträge gelesen und bin tief berührt. Vielen Dank, dass du mich immer wieder zu solch schönen Aktionen mitnimmst.

  4. Liebe Margarete.
    Danke für die Offenheit. Was Du schreibst, hat mich sehr berührt. Und mir eine Seite an Dir gezeigt, die ich bisher mehr geahnt als gekannt habe.
    Herzliche Grüße, Franz

    • Lieber Franz, danke für Deine Worte. Erst in dieser Rückschau konnte ich meine Trauer in die richtigen Worte fassen. Traurigsein war für mich in den letzten Monaten oft nur ein Zustand, nicht wirklich fassbar und sehr wage. Jetzt kann ich sie mir besser anschauen, da sie eine Gestalt angenommen hat, mit der ich umgehen kann.

  5. Pingback:Alle reden über Trauer 2019 - In lauter Trauer

Schreibe einen Kommentar zu mr Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.